Mit einer verbalen Attacke sorgt Viktor Orbán wieder einmal für Wirbel. Bei einer Kundgebung in der westungarischen Stadt Szombathely (dt. Steinamanger) erklärte der Ministerpräsident die Ukraine offen zum "Feind Ungarns". Grund für die scharfen Worte sei Kyjiws Forderung, die EU solle russische Energieimporte stoppen.
"Wer so etwas verlangt, ist ein Feind Ungarns – also ist die Ukraine unser Feind", sagte Orban laut "Kyiv Independent" vor jubelnden Anhängern. Der ungarische Regierungschef gilt in Brüssel seit Jahren als engster Verbündeter von Kreml-Kriegstreiber Wladimir Putin innerhalb der EU und kritisiert sowohl die Ukraine als auch die EU-Spitze regelmäßig.
Erneut stellte Orbán auch klar, dass er einen EU-Beitritt der Ukraine strikt ablehnt. Zwar solle Ungarn als Nachbarland kooperieren, eine Mitgliedschaft komme aber nicht infrage. "Wir sollten keine militärische oder wirtschaftliche Zusammenarbeit wollen, weil sie uns in den Krieg hineinziehen", so Orban.
Die Aussagen kommen zu einem heiklen Zeitpunkt. Erst kürzlich beschloss der EU-Rat, russische Gasimporte bis 2027 zu verbieten. Ungarn und die Slowakei haben dagegen Klage beim Europäischen Gerichtshof eingebracht. Beide Länder sind weiterhin stark von russischem Gas abhängig.
Orbán kündigte außerdem eine Reise nach Washington an. Dort wolle er am ersten Treffen des sogenannten Friedensrats ("Board of Peace") von US-Präsident Donald Trump teilnehmen.
Innenpolitisch steht der ungarische Machthaber ebenfalls unter Druck. In zwei Monaten wählt Ungarn ein neues Parlament, Umfragen sehen ihn hinter Herausforderer Péter Magyar. Diese Zahlen tat Orban als "Propaganda" ab.