Er ist Viktor Orbáns gefährlichster Herausforderer: Péter Magyar, Chef der Oppositionspartei TISZA (Respekt- und Freiheitspartei). In aktuellen Umfragen liegt er erstmals vor der seit 2010 regierenden Fidesz.
Nun sorgt eine rätselhafte Website mit Andeutungen über ein Sex-Video für neuen Zündstoff im Wahlkampf. Für die Opposition ist klar: Dahinter könne nur Orbáns Regierungspartei stecken, die das Ruder vor der Parlamentswahl am 12. April rumzureißen versucht.
Am Dienstag ging eine Webseite online, die ein Zimmer mit einem Doppelbett zeigt, gefilmt aus einer Ecke. Bei genauerer Betrachtung erkennt man ein kleines Blech auf dem Nachttisch, auf dem etwas zu sehen ist, das wie weißes Pulver aussieht. Über dem Bild steht auf englisch: "Coming Soon".
Der Name der Seite, radnaimark.hu, verweist auf den Vize-Vorsitzenden der TISZA, Márk Radnai. Der Link zu der Seite wurde am Dienstag an zahlreiche ungarische Journalisten verschickt. Regierungsnahe Medien berichteten kurz darauf, dass es um "kompromittierendes Videomaterial" gehen könnte – und, dass "das Gerücht" kursiere, es könnte um eine "Orgie" gehen, an der sowohl Magyar als auch Radnai teilgenommen hätten, wie die Nachrichtenseite 444.hu berichtet.
Gegenüber "444.hu" reagierte Radnai rasch: "Ich bin in letzter Zeit oft umgezogen, aber das Zimmer auf dem Foto ist keine meiner Wohnungen, ich erkenne es überhaupt nicht wieder", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Tisza-Partei. Er fügte hinzu, dass der Versuch, ihn zu diskreditieren, ihn nicht überrascht habe.
„Ich habe in den letzten Monaten gehört, dass man mich mit einer angeblichen homosexuellen Beziehung in Verbindung bringen wolle. Ich bin überhaupt nicht homophob, deshalb habe ich bisher nicht darauf reagiert.“Márk Radnai444.hu, 10. Februar 2026
Was auch immer veröffentlicht werde, er habe nichts zu verbergen. "Ich hatte keinerlei Beziehung, die auf irgendeiner Ebene Anlass zu öffentlichem Interesse geben könnte", so Radnai.
Kurz danach äußerte sich auch Parteivorsitzender Magyar zu dem mysteriösen Link. „Sie (Fidesz, Anm.) erpressen und bedrohen uns schon lange mit Videoaufnahmen und Verleumdung". Zum Inhalt des möglicherweise erscheinenden Videos hat er eine ganz eigene Theorie:
„Ich vermute, sie planen, eine Aufnahme zu veröffentlichen – möglicherweise gefälscht und mit Geräten des Geheimdienstes aufgenommen – die mich und meine damalige Freundin bei einer intimen Begegnung zeigt. Ich weiß nicht, was sie damit bezwecken wollen, außer von der Göd-Todesfabrik und der Rolle der Orbán-Regierung darin abzulenken."“Péter MagyarStellungnahme auf Facebook, 10. Februar 2026
Anmerkung: Mit "Göd-Todesfabrik" spielt er auf einen aktuellen Umweltskandal rund um eine Akku-Fabrik nördlich von Budapest an. Die Regierung soll dabei jahrelang tatenlos zugesehen haben, wie gesetzeswidrig giftige Schwermetalle in hundertfacher Überschreitung der Grenzwerte in die Luft geblasen wurde – nur 200 Kilometer von Wien entfernt, "Heute" berichtete.
Er habe jedoch nichts zu verbergen. Sollte ein Sexvideo von ihm erscheinen würde das eher ein schlechtes Licht auf die angebliche "Familienpartei" Fidesz werfen, so der Oppositionsführer.
„Ja, ich bin ein 45-jähriger Mann und habe ein Sexleben. Mit einer erwachsenen Partnerin. Ich habe drei minderjährige Kinder, die von dieser widerlichen 'familienfreundlichen' Regierung offensichtlich ignoriert werden. Aber ihr solltet alle wissen, dass ich mich keiner Erpressung beuge und dies auch in Zukunft nicht tun werde.“Péter Magyarauf Facebook, 10. Februar 2026
Ob und was auf der mysteriösen Website tatsächlich erscheinen wird, ist unklar. Ob es überhaupt ein (Sex-)Video gibt und ob es der Opposition wirklich schaden würde, bleibt fraglich. Bisher gibt es nur ein Bild und viele Gerüchte. Sicher ist nur: Der ohnehin aufgeheizte Wahlkampf in Ungarn hat eine neue, schmutzige Dimension erreicht.
Eine Stellungnahme der Regierungspartei Fidesz oder von Viktor Orbán zu den Vorwürfen lag zunächst nicht vor.