500-fach über Grenzwert

Umwelt-Skandal um Akku-Fabrik 200 Kilometer vor Wien

Nickel, Cobalt, Mangan: Eine Akku-Fabrik pulvert seit Jahren krebserregende Schwermetalle in die Luft – das wird nun zum Wahlkampf-Skandal in Ungarn.
Nick Wolfinger
11.02.2026, 13:42
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Ein Umwelt-Skandal erschüttert Ungarn. Rund um eine Akku-Fabrik nördlich von Budapest sollen laut Recherchen des ungarischen Portals "Telex" in den letzten Jahren massiv erhöhte Schadstoffwerte bei krebserregenden Schwermetallen festgestellt worden sein. Das 2017 in Göd eröffnete Werk von Samsung SDI produziert Lithium-Ionen-Akkus für europäische Autohersteller.

Besonders brisant: Zwei Mal wurden dem Unternehmen nach Beschwerden von Bürgerinitiativen bereits die Umweltgenehmigung entzogen – trotzdem wurde weiter produziert.

Schwermetalle 500-fach über Grenzwerten

Das ungarische Portal "Telex" hat nach eigenen Angaben den internen Sicherheitsbericht des Samsung-Werkes erhalten. Demnach sollen Messungen des Unternehmens und behördliche Kontrollen ergeben haben, dass die Belastung mit diesen Metallstäuben in bestimmten Produktionshallen 200- bis zu 510-fach über dem zulässigen Arbeitsplatz-Grenzwert lag.

Konkret gehe es um Nickel-Kobalt-Mangan-Staub – "ein giftiger Stoff, der bei Freisetzung tödliche Folgen haben kann", wie "Telex" schildert. Normalerweise sind jene Teile der Fabrik, in denen diese Stoffe freigesetzt werden, steril vom Rest des Werks abgetrennt. Die Luft wird abgesaugt und gefiltert. Zutritt ist nur mit Schutzkleidung möglich.

Schwarzer Staub auf Autos

Doch wie "Telex" berichtet, habe es Samsung "versäumt, den krebserregenden Staub ordnungsgemäß abzusaugen und allen Arbeitern die notwendige Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen".

Offiziell betonen Behörden zwar, dass keine akute Gefahr für die Bevölkerung bestehe, doch viele bezweifeln das. Anrainer berichten etwa von schwarzem Staub auf Autos und Häusern.

Fabrik produzierte trotz Verbot weiter

Bereits im Frühjahr 2024 setzte ein Gericht die Umweltgenehmigung des Werks nach einer Klage von Bürgerinitiativen vorläufig außer Kraft. Ein zweites Mal erklärte ein Gericht im Oktober 2025 die Betriebsgenehmigung für ungültig. Von da an bis zum 3. Februar 2026 – also rund vier Monate – lief die Fabrik ohne rechtskräftige Umweltgenehmigung weiter, ehe es Anfang Februar auf gerichtlichem Weg wieder eine Genehmigung erhielt, berichtet "Telex".

Das sorgt nun für heftigen Wirbel um ungarischen Parlamentswahlkampf. Denn sogar der ungarische Inlandsgeheimdienst (!) hatte sich wegen des Verdachts von Verstößen gegen Beschäftigunsvorschriften mit der Samsung-Fabrik in Göd befasst – und in einem Bericht an die Regierung im Frühjahr 2023 massive Überschreitungen der Grenzwerte mitgeteilt.

Schließungspläne verworfen

Bei einer Regierungssitzung hätten daraufhin mehrere Minister die Schließung des Werkes vorgeschlagen. Doch außer der Verhängung von Geldstrafen sei letztlich nichts geschehen, so "Telex".

Das Portal richtet seine Vorwürfe vor allem an den für Auslandsinvestitionen zuständigen Außenminister Peter Szijjarto, der sich hinter das Unternehmen gestellt hätte. Szijjarto weist die Anschuldigungen zurück und spricht von einer politisch motivierten Kampagne.

Krebserregender Feinstaub auch in Österreich?

Besonders brisant: Nickelverbindungen gelten als krebserregend. Feine Stäube können tief in die Lunge eindringen und dort schwere Schäden verursachen – von chronischen Entzündungen bis hin zu Krebs. Auch Nervenschäden stehen im Zusammenhang mit langfristiger Belastung durch diese Stoffe.

Feine Metallstäube wie Nickel-, Kobalt- oder Mangan-Partikel können – wenn sie in die Außenluft gelangen – vom Wind weitergetragen werden. Besonders Feinstaubpartikel bleiben lange in der Luft und können über Dutzende Kilometer verfrachtet werden. Bei stabiler Wetterlage mit Nord- oder Nordwestwind könnten sie also auch nach Österreich gelangen.

Samsung weist Vorwürfe zurück

Samsung SDI weist die Vorwürfe entschieden zurück. Man erfülle sämtliche Umwelt- und Arbeitsschutzbestimmungen, teilte das Unternehmen der staatlichen Nachrichtenagentur MTI mit. Medienberichte, die von massiven Grenzwert-Überschreitungen sprechen, enthielten laut Konzern "falsche Daten und irreführende Informationen".

Gleichzeitig betont Samsung, stets eng mit den Behörden zusammenzuarbeiten und im Austausch mit der lokalen Bevölkerung zu stehen. Man wolle seine soziale Verantwortung weiter stärken.

{title && {title} } NW, {title && {title} } Akt. 11.02.2026, 15:31, 11.02.2026, 13:42
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