Rendi-Wagner führt im Social-Media-Wahlkampf

Bild: zVg
Wie viel die Spitzenkandidaten und ihre Parteien in sozialen Medien ausgeben und wer damit den meisten Erfolg hat.

In vergangenen Jahren konnte keine Partei die FPÖ vom Social-Media-Thron stoßen: Die Freiheitlichen setzten schon seit 2013 auf eine starke Präsenz in sozialen Medien und bauten die Facebook-Seite des damaligen Parteichefs Heinz-Christian Strache zum Sprachrohr aus. Die Ibiza-Affäre, der Abgang des FP-Frontmanns und der Kollaps der Türkis-Blauen Regierung haben jetzt die Karten neu gemischt.

Wir haben verglichen, wie die Spitzenkandidaten der sechs aussichtsreichsten Parteien knapp einen Monat vor der Nationalratswahl 2019 in den sozialen Medien reüssieren, uns dabei aber nicht auf die Zahl von Fans oder Followern konzentriert. Analysiert wurden die Interaktionen auf den Beiträgen der Seiten – ein Wert mit größerer Aussagekraft.

Kurz dominierte im Mai

Bis Ende Mai war es ÖVP-Chef Sebastian Kurz, der auf Facebook mit Abstand die meisten Interaktionen verzeichnete: Zwischen 19. und 25. Mai bekamen Postings auf seiner Seite über 213.000 Likes, Kommentare und Shares. Bezahlte Werbung und die Nachwehen des Ibiza-Skandals dürften dabei eine große Rolle gespielt haben: Seit März 2019 gab Kurz 118.356 Euro für 964 Werbeanzeigen auf Facebook aus. Anfang Juni gingen die Interaktion auf der Seite stark zurück – Kurz, Rendi-Wagner und Hofer lagen in etwa gleichauf.

Zu den erfolgreichsten Kurz-Postings zählt eine Reaktion auf das Misstrauensvotum gegen die Regierung, die mehr als 41.000 Reaktionen und über 5.000 Kommentare generierten.

Rendi-Wagner sichert sich den SoMe-Thron

Mitte Juni zeichnete sich ein Führungswechsel ab: Die SPÖ und Pamela Rendi-Wagner dürften sich die Kritik an teils unprofessionellen Social-Media-Auftritten zu Herz genommen haben; sie investierten fortan stark in die sozialen Medien und überarbeiteten ihre Seiten. Seither verzeichnet die Seite der SP-Spitzenkandidatin konsequent etwa doppelt so viele Interaktionen wie die Auftritte von Sebastian Kurz und Norbert Hofer. Das ließen sich die Sozialdemokraten einiges kosten: 225.671 Euro wurde seit März 2019 für die Seite der SPÖ, 178.905 für Rendi-Wagners ausgegeben.

Um die Reaktionszahlen in die Höhe zu treiben, ließ Rendi-Wagners Team die User über Like-Buttons abstimmen:

Weit abgeschlagen liegen derzeit die KandidatInnen von NEOS, Grünen und JETZT: Beate Meinl-Reisinger und Werner Kogler kamen zwischen 25. und 31. August nicht über 10.000 Interaktionen hinaus, bei Peter Pilz waren es weniger als 2.000. Zum Vergleich: In diesem Zeitraum erlangten Rendi-Wagner mehr als 100.000, Norbert Hofer und Sebastian Kurz jeweils knapp 50.000 Interaktionen.

Strache-Seite nach wie vor politisches Kapital

Auch, wenn sich Heinz-Christian Strache nach dem Ibiza-Skandal (zumindest vorerst) aus der Politik zurückziehen musste, ist die auf seinen Namen lautende Facebook-Seite nach wie vor ein politisches Machtinstrument. Seit Juli bei den Interaktionen von der SPÖ-Kandidatin übertroffen, generiert die Strache-Seite nach wie vor mehr Likes, Shares und Kommentare als die der restlichen Spitzenkandidaten. Kein Wunder also, dass FPÖ-Intern ein Kampf um das Eigentum der Page entbrannt ist.

Kopf an Kopf auf Instagram

Facebook ist zwar nach wie vor das wichtigste Social-Media-Sprachrohr der Parteien, auch Instagram wird aber immer wichtiger. Dort liefern sich Sebastian Kurz und Pamela Rendi Wagner derzeit ein Kopf an Kopf-Rennen. Norbert Hofer liegt bei den Interaktionen bereits weit abgeschlagen auf dem dritten Platz, Meinl-Reisinger und Kogler knapp hinter ihm. Peter Pilz hat keine Instagram-Seite.

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