"Wenn du laufen willst, lauf einen Kilometer. Wenn du ein neues Leben kennenlernen willst, dann lauf einen Marathon." Im letzten Eintrag standen die Anfänge des Läuferlebens im Mittelpunkt, nun stand der erste (und bisher einzige) Marathon vor der Tür. Und es sollte sich herausstellen, dass der Weg zu einem selbst manchmal ganz genau 42,195 Kilometer lang ist.
standen die Anfänge des Läuferlebens im Mittelpunkt, nun stand der erste (und bisher einzige) Marathon vor der Tür. Und es sollte sich herausstellen, dass der Weg zu einem selbst manchmal ganz genau 42,195 Kilometer lang ist.
Ich war nie gut darin, persönliche Verluste wegzustecken und zu verarbeiten. Lieber lief ich davor weg und genau das tat ich in der Vorbereitung zum 30. Vienna City Marathon. Ich hatte mir einen Trainingsplan erstellt und trainierte vom Jahresbeginn weg fünf Mal pro Woche, stundenlang und mit Disziplin. Wenn man außer Atem ist, werden Sorgen und Gedanken im Kopf leiser, zumindest für eine Weile.
Die Zeit bis zum April verflog und auf meinem Laufkonto sammelte sich Kilometer um Kilometer. Wenn ich heute zurückdenke frage ich mich, wo ich die Zeit für die Trainingsläufe hernahm, die oft über drei Stunden dauerten. Zeit hat man nicht, die nimmt man sich für das, was einem wichtig ist, muss es wohl heißen. Zweifel gab es immer wieder, dass ich den Marathon nicht schaffen könnte, aber genau diese hielten mich auch in Bewegung.
Schließlich war der Tag des Wettkampfs gekommen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich mich nicht besser hätte vorbereiten können und gleichzeitig die Anstrengung trotzdem unterschätzt hatte. Mit zwei Lauffreunden ging es bei perfektem Aprilwetter über die Startlinie und auf die Strecke. Mit 41.326 Läufern, allein 10.588 auf der Marathondistanz, um einen herum sollte es aber irgendwann trotzdem einsam werden.
Bis zur Halbmarathondistanz war so gut wie alles okay. Wenn aber ein Großteil des Feldes zum Heldenplatz und zur Ziellinie abbiegt und man selbst gerade erst bei der Hälfte der Strecke angelangt ist, dann fängt man zu grübeln an. Das eigentliche Rennen begann aber erst ab Kilometer 30. Die Beine sind schwer, der Kopf denkt ans Aufgeben und die vor einem liegenden Kilometer scheinen unüberwindbar.
Fünf Kilometer vor dem Ziel spielte sich das Rennen nur noch im Kopf und in Zeitlupe ab. Während man sich von Versorgungsstation zu Versorgungsstation schleppt, bekommt man das Drumherum kaum noch mit. Vieles längst Vergangenes schleicht sich in die Gedanken, Entscheidungen werden in Frage gestellt, man bereut und vergibt, verarbeitet und verzeiht, und fragt sich: Bin ich so, wie ich sein soll?
Biegt man ein und schleppt sich über den Teppich zur Ziellinie beim Heldentor, sind Schmerzen und Anstrengungen vergessen. Die letzten Meter sind ein Kontrollverlust an Gefühlen und der Schritt über die Ziellinie ist gleichzeitig eine Überwindung der Zweifel. Man ist leer, aber man ist zufrieden.
Die Medaille, die Zeit von 3:55:06, der Stolz - schöne Erfahrungen. Die wichtigste Erinnerung, die ich aber aus dem Marathon mitgenommen habe, ist eine im doppelten Sinn: Der Weg zum Glücklichsein ist oft schmerzhaft. Aber er ist es wert, gegangen zu werden.
Sie wollen wissen, wie es mit Krisen und Kilometern, mit Schritten und Schlüsselmomenten weiterging? Dann klicken Sie bald wieder rein, denn das verrate ich demnächst in einem neuen Blog-Eintrag!
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Bis bald, sportliche Grüße und viel Vergnügen mit .