"Im Leben einer Frau kommt man immer irgendwann in Berührung mit dem Thema Gewalt, sei es bei Bekannten, Freunden, im Verein oder in der Familie", sagt Luna L. Die 20-Jährige beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit der Thematik und wollte ihr Wissen weiter vertiefen. Dafür bot sich das Caritasprojekt "STAR*K" an, bei dem sie ein Training zur Peer (Projektteilnehmerin) absolvierte.
Das vom Bundeskanzleramt und Land Niederösterreich geförderte Projekt bildet jährlich acht Peers an insgesamt sechs Tagen aus, die danach eigene Projekte umsetzen. Dabei wird besprochen, was Gewalt eigentlich ist, welche Phänomene und Beispiele es gibt sowie Erfahrungen diskutiert, erklärt Projektkoordinatorin Nadine Dimmel. Anmelden kann sich jeder, der zwischen 15 und 30 Jahre alt ist, unabhängig vom Geschlecht. Das Angebot ist kostenlos.
"Ich wollte neben meinem Lehramtsstudium etwas Neues lernen und etwas Sinnvolles tun", erklärt Luna L. ihre Motivation. Beim Projekt "STAR*K" habe sie viel gelernt, besonders ein Besuch im Wiener Gewaltschutzzentrum sowie ein Einblick in die Täterarbeit beim Verein Neustart hätten bleibenden Eindruck hinterlassen.
"Viele wissen nicht, wie vielseitig das Thema ist und denken, Gewalt bedeutet Schläge. Aber es fängt viel früher an", so die gebürtige Vorarlbergerin. "Mir ist es wichtig, mich selbst zu informieren und aufzuklären." Das Projekt habe ihr dabei geholfen, andere zu unterstützen, sei es mit Gesprächen oder auch nur durch das Senden eines Info-Links, so Luna L.
Gemeinsam mit zwei anderen Studentinnen startete sie schließlich ihr eigenes Projekt. Entstanden ist ein Sticker mit einem QR-Code und der Frage "Bist du ein richtiger Mann?" "Wir haben darüber nachgedacht, dass Gewalt oft von Männern ausgeht und uns gefragt, wie wir auf junge Burschen zugehen und sie wachrütteln können. Für Männer ist es oft kränkend, wenn man ihre Männlichkeit in Frage stellt", so die 20-Jährige, die sich "bewusst provokativ" für die Frage "Bist du ein richtiger Mann?" entschied.
Scannt man den QR-Code, gelangt man auf eine Seite mit einem Quiz. Dort werden Fragen gestellt wie "Wenn du über Männlichkeit nachdenkst, was gehört für dich dazu?" oder "Sollen Männer Beschützer sein?" Ziel ist es, möglichst viele der 800 gedruckten Sticker im öffentlichen Raum zu verteilen und damit Aufmerksamkeit zu erregen. Bei einer Infokampagne in einem Wiener Einkaufszentrum konnten die Studenten bereits erste Reaktionen einfangen: "Natürlich ist es oft so, dass gelacht wird oder die Jüngeren es nicht ganz ernst nehmen. Das war uns bewusst. Aber dann gehen sie ein paar Schritte weiter und machen das Quiz doch", schmunzelt Luna L. "Vielleicht liest man es und es bleibt etwas hängen."
Für die Zukunft wünscht sich Luna L., dass mehr gegen Gewalt getan wird. "Wichtig ist, früh genug anzusetzen, schon im Kinder- oder Jugendalter." Die Peer-Ausbildung zu machen kann sie jedem empfehlen: "Ja, man investiert Zeit, aber was man mitnimmt ist so viel wertvoller!"