Wochenlang eingesperrt, Körper an Körper, im Dreck und zwischen toten Tieren: Der Transport von rund 2.900 Rindern über den Atlantik sorgte weltweit für Entsetzen. Viele Tiere verendeten dabei qualvoll.
Neue Recherchen der "ZIB2" zeigen nun: Hinter dem Transport steht die Firma Agro Breeding GmbH aus dem Waldviertel. Die Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation erhebt schwere Vorwürfe gegen den Eigentümer Christian Klinger: "Er soll den Tod der Tiere bewusst in Kauf genommen haben". Das Unternehmen weist gegenüber der "ZIB2" jegliches Fehlverhalten zurück.
Im Herbst 2025 wurden die Tiere – darunter 1.200 Angus-Rinder und 1.700 Holstein-Kühe – von Uruguay in die Türkei verschifft. Die Überfahrt auf dem über 50 Jahre alten Frachtschiff "Spiridon II" geriet zum Albtraum für die Tiere – "Heute" berichtete damals ausführlich.
Die Tierschützer der Animal Welfare Foundation berichten von fürchterlichen Zuständen an Bord des Schiffes. Auf Videos, die ihnen zugespielt wurden, seien "sterbende Tiere, die in tiefer Gülle liegen und geschwächte Tiere, die kaum aufstehen können" zu sehen. Die Rinder litten an "Atemwegs- und Augenproblemen, eng belegte Abteile".
Die Projektleiterin der NGO, Maria Boada-Saña, schildert: "Das Filmmaterial zeigt systemische und schwerwiegende Tierschutzprobleme, darunter mangelhafte Hygiene und fehlende tierärztliche Versorgung. Die beobachteten Zustände dürften erhebliches Leiden, Krankheiten und Todesfälle verursacht haben und sind für den Transport lebender Tiere nicht akzeptabel".
Wie die ORF-Nachrichtensendung "ZIB2" am Dienstag berichtete, wurde der Transport von einer österreichischen Firma organisiert. Die Agro Breeding GmbH aus dem Waldviertel, die dem Unternehmer Christian Klinger gehört, steht nun im Zentrum des Skandals.
Durch massive Verzögerungen waren viele Kühe bei der Abfahrt bereits hochträchtig. Während der mehrwöchigen Reise wurden rund 140 Kälber unter widrigen Bedingungen geboren. Nur etwa 50 von ihnen überlebten.
Nach der Ankunft in der Türkei spitzte sich die Lage weiter zu: Die Behörden verweigerten das Entladen, da 469 Rinder keine gültige Importzulassung hatten. Das Schiff saß 22 Tage im Hafen von Bandirma fest.
Die türkischen Importeure erheben schwere Vorwürfe gegen die Waldviertler Firma. Sie geben an, rund zwei Millionen Dollar im Voraus bezahlt zu haben. Nach der Ankunft sei der Kontakt plötzlich abgebrochen. Sie haben nun Zivilklage in Österreich eingereicht, wie die "ZIB2" berichtete.
Die Agro Breeding GmbH weist alle Anschuldigungen zurück. Alle Dokumente seien korrekt gewesen, die Verzögerungen seien nicht selbst verschuldet.
Nachdem das Schiff den türkischen Hafen verlassen musste, verschwand es plötzlich vom Radar – und tauchte später in Libyen wieder auf. Dort sollen die Rinder schließlich verkauft worden sein.