Die Fotos sind erschütternd: Risse in den Wänden, schiefe Türstöcke, Putz, der vor lauter Schimmel abbröckelt. Es sind keine Bilder aus einem leerstehenden alten Wohnhaus, es sind Bilder aus einem Pflegeheim in Oberösterreich.
Das Landespflege- und Betreuungszentrum Christkindl in Steyr ist in einem erbärmlichen Zustand. Dort sind psychisch kranke Menschen und Wachkomapatienten untergebracht. Der Betriebsrat schlägt Alarm. Schon im April hieß es in einem Brief der Heimleitung an die Direktion Soziales und Gesundheit der Landesregierung: "Die zuletzt gegebenen Witterungsbedingungen mit Frost bzw. Niederschlägen haben scheinbar zu weiteren Bewegungen im Untergrund des LPBZ Christkindl geführt".
Es sei das gesamte Gebäude betroffen: "Im gesamten Gebäude sind weitere Risse aufgetreten, sodass es keinen einzigen Gebäudeteil mehr gibt, der nicht von Veränderungen in der Bausubstanz betroffen ist".
Schon beim Eingang würde es unübersehbare Risse geben. Auch in der Küche gibt es mittlerweile Risse, so das Schreiben.
Dramatisch: "Der Gebäudeteil, in dem sich die Wachkomaabteilung befindet, ist vermehrt betroffen von den Veränderungen am Gebäude. Eine 'Verschiebung' des Gebäudes in alle Richtungen ist bemerkbar. Türen schließen nicht mehr, da sie nicht mehr in der Waage stehen".
Der Alltag sei immer schwieriger zu bewältigen. Ständig würde es zu Wasserrohrbrüchen durch die Verschiebungen des Hauses kommen. Auch von unten tritt Wasser ein. "Die Wände ziehen anscheinend Wasser aus dem Boden, was wiederum den Putz bröckeln lässt und es kommt zu einer vermehrten Schimmelbildung. Vor allem die Bäder sind zunehmend von Schimmel betroffen".
„"Die Wände ziehen anscheinend Wasser aus dem Boden, was wiederum den Putz bröckeln lässt"“
Ein aktuelles Gutachten bescheinigt dem Haus keine große Zukunft. Es gebe "massive Untergrundbewegungen", so ein Ziviltechniker in seinem Schreiben, das "Heute" vorliegt. Messungen hätten eindeutige Bewegungen ergeben. Es gebe horizontale Verschiebungen von 2,6 Zentimeter und vertikale Verschiebungen von 6,2 Zentimeter.
Aufgrund der häufig wechselnden Trocken- und Regenperioden wegen des Klimawandels sei "von einer Nutzbarkeit der restlichen Gebäudeteile von maximal zwei bis vier Jahren auszugehen.
Schon vor zwei Jahren wurden Teile des Gebäudes behördlich gesperrt, Bewohner mussten ausziehen. Es gibt bereits Pläne für einen Neubau. Geplant ist ein moderner, H-förmiger Bau mit 100 Betten bis zum Jahr 2025. Rund 18 Millionen wurden dafür im vergangenen Herbst veranschlagt.
Das Pflegeressort ist prinzipiell offen für einen Neubau, man sei derzeit dabei die Kosten abzuschätzen.