Ein bizarrer Versuch aus Russland lässt aufhorchen. Das Moskauer Neurotechnologie-Unternehmen Neiry testet ein System, bei dem Tauben durch im Gehirn implantierten Elektroden ferngesteuert werden sollen.
Konkret sollen elektrische Impulse im Gehirn der Tiere gezielte Richtungsänderungen auslösen. Auf dem Rücken tragen die Tauben kleine Technik-Module mit GPS und Solarzellen, die während des Flugs Strom liefern. Kameras seien geplant, gelten laut Neiry aber noch nicht als serienreif.
Die Firma behauptete im November 2025, erste Tests seien erfolgreich gewesen. Tauben seien gezielt losgeschickt worden und später selbstständig zum Ausgangspunkt zurückgekehrt. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.
In sozialen Netzwerken wird das Projekt bereits als neue geheime Spionage-Technologie Putins gehandelt. Die Idee: Tauben als unauffällige Alternative zu Drohnen, die sensible Gebiete überfliegen, ohne sofort entdeckt zu werden. Belege für einen Auftrag durch den Kreml oder russische Geheimdienste existieren allerdings keine.
Neiry selbst weist militärische Absichten zurück. Man arbeite an rein zivilen Anwendungen, etwa zur Überwachung von Strom- und Gasleitungen, zur Umweltbeobachtung oder für Such- und Rettungseinsätze. Zudem betont das Unternehmen, dass sich die Technologie noch in einer frühen Entwicklungsphase befinde.
Experten bremsen die aktuelle Aufregung deutlich. Es gebe keine Hinweise auf einen militärischen Einsatz, die Steuerung funktioniere bislang nur eingeschränkt, dazu kämen massive ethische und tierschutzrechtliche Bedenken. Klassische Drohnen seien günstiger, präziser und verlässlicher.
Es stimmt also, dass in Russland an Tauben mit Gehirnchips geforscht wird. Von einer neuen Wunderwaffe Putins zu sprechen wäre aber zu weit hergeholt. Stehen bleibt vor allem die Frage, wie weit Technik gehen darf.