Bisher sind russische Skiurlauber mit ihren Brettern gerne auf österreichischem Boden gefahren. Nun hat Österreich bei den Besuchern aus dem Osten aber keinen Stein mehr im Brett. Mancherorts sind die Vorausbuchungen um 30 bis 40 Prozent gesunken.
Russischen Touristen wird nachgesagt, dass sie in Markenkleidung durch die Orte flanieren, in teuren Läden einkaufen und abends die Champagner-Korken knallen lassen. Davon haben Hoteliers, Gastronomen und Einzelhändler in Österreich profitiert. Zudem halfen die Russen, die buchungsschwache Zeit zwischen den Weihnachtsferien und Februar zu überbrücken - das sogenannte "Jänner-Loch". Denn sie feiern Weihnachten erst Anfang Jänner.
Doch heuer können viele Restaurants in den Skiorten ihre russischen Speisekarten wohl in der Schublade lassen. Der Konflikt mit dem Westen und der massive Kursverfall des russischen Rubel, der seit Jahresbeginn zum Euro und Franken knapp ein Viertel an Wert verloren hat, machen sich bemerkbar: Viele Russen pfeifen auf die Reise nach Westeuropa und weichen in die heimische Kaukasus-Region Sotschi aus.
Damit befolgen sich auch den Appell der russischen Regierung, angesichts des derzeitigen Konflikts mit dem Westen mehr im eigenen Land Urlaub zu machen. Die Stadt an der Schwarzmeerküste hat ihre Kapazitäten im Zuge der Olympischen Winterspiele zu Jahresbeginn massiv aufgestockt.
Bis zu 40 Prozent weniger Buchungen
sind die Übernachtungen russischer Gäste in Österreich um sieben bis zehn Prozent zurückgegangen. Für die deutlich wichtigere Wintersaison erwarten Experten noch massivere Einbrüche: In Österreich lägen die Vorausbuchungen russischer Touristen in manchen Regionen 30 bis 40 Prozent unter Vorjahresniveau, sagte ein Touristik-Insider, der lieber anonym bleiben will. Besonders zu spüren bekommen dürften das die Lieblingsregionen russischer Gäste - Skiorte in Tirol oder Salzburg. Mancherorts sorgen die Skifahrer aus Russland dort für ein Fünftel aller Übernachtungen.
Ungebrochen scheint der Boom lediglich in den Skiorten, die sich auf superreiche Russen spezialisiert haben, wie etwa St. Moritz in der Schweiz. Auch in Wien, das bei russischen Gästen ebenfalls hoch im Kurs steht, verspürten die Luxusläden keine Umsatzeinbußen. "Seit Januar haben wir ein Plus von acht Prozent", sagte Florian Jonak, dessen Familie vier Nobel-Boutiquen in der Innenstadt besitzt.
"Wenn Russen sieben Tage kommen, gehen sie vier Tage Skifahren und drei Tage wollen sie etwas sehen", sagt ein Experte. "Sie fahren nach München oder Innsbruck zum Einkaufen." Von der Flaute seien also nicht nur Hoteliers und Gastronomen betroffen, sondern auch Einzelhändler, Taxifahrer und Fluggesellschaften.
Rabatte sollen Russen versöhnlich stimmen
Um Schlimmstes zu verhindern, versucht Österreich die Russen nun mit einer Mischung aus Rabatten und Werbung doch noch zur Anreise zu bewegen.