In der russischen Stadt Pensa, etwa 600 Kilometer südöstlich von Moskau, sorgen aktuelle Videos in sozialen Netzwerken für Aufsehen. Zu sehen sind Männer in Militäruniform und in Zivil in einem Minibus vor dem Wehramt, während verzweifelte Frauen versuchen, deren Abfahrt zu verhindern.
Diese Aufnahmen von Mitte Juni werden begleitet von Berichten über verstärkte Razzien und Zwangsrekrutierungen in der Region. Laut unabhängigen Medien und Menschenrechtsorganisationen sollen Sicherheitskräfte gemeinsam mit den Wehrämtern gezielt Männer auf Straßen, in öffentlichen Verkehrsmitteln und bei Verkehrskontrollen aufgegriffen haben.
Ziel dieser Aktionen ist die festgenommenen Männer zum Abschluss eines Vertrags mit dem Verteidigungsministerium zu drängen.
Parallel dazu gibt es immer mehr Hinweise, dass das bisherige Rekrutierungsmodell Russlands an seine Grenzen stößt. Die Zahl der Freiwilligen für den Krieg in der Ukraine scheint nicht mehr auszureichen.
Erst vor wenigen Tagen berichtete die Financial Times über die Stagnation der russischen Rüstungsindustrie und Verzögerungen im Kriegsverlauf. Ein nicht namentlich genannter Insider wird dort mit den Worten zitiert: "Eine Steigerung der Mobilisierung von menschlichen, industriellen und wirtschaftlichen Ressourcen ist der einzige Ausweg. Die Frage ist, welche Form das annimmt und wie sie es verpacken."