Militärexperte Reisner warnt:

"Russland nimmt auf Eskalationsleiter nächste Sprosse"

Nach einem Russen-Angriff auf einen Zug nahe Polen sieht Markus Reisner eine Drohung an den Westen. Der Militärexperte warnt vor weiterer Eskalation.
André Wilding
15.09.2026, 11:17
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Ein russischer Drohnenangriff auf einen Personenzug im Westen der Ukraine sorgt für neue Warnungen. Für den österreichischen Militärexperten Markus Reisner steckt hinter der Attacke eine klare Botschaft Moskaus an die westlichen Unterstützer der Ukraine.

"Russland nimmt hier auf der Eskalationsleiter die nächste Sprosse, um zu zeigen: Wir geben nicht nach. Nicht einen Millimeter", sagte Reisner gegenüber n-tv.

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Der Angriff ereignete sich am Sonntagmorgen nahe der polnischen Grenze. Kurz zuvor hatte ein weiterer Zug mit europäischen Politikern den Bahnhof verlassen. Darunter sollen sich der frühere schwedische Ministerpräsident Carl Bildt, der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson und der ehemalige CIA-Chef David Petraeus befunden haben.

"Wir können euch jederzeit treffen"

Reisner sieht in dem Angriff eine Demonstration der russischen Fähigkeiten unmittelbar an der Grenze zu einem Nato-Staat.

"Der Kreml sendet hier ein Signal an die westlichen Verbündeten der Ukraine: Im Fall des Falles wäre Russland in der Lage und willens, auch offizielle Delegationen auf ukrainischem Boden anzugreifen. Die russische Angriffsfähigkeit reicht bis zur Grenze nach Polen", stellt Reisner in n-tv klar.

Der Oberst des österreichischen Bundesheeres verweist zudem auf Aussagen von Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Dieser habe parallel zum Angriff erneut darauf hingewiesen, dass Moskau die Präsenz europäischer Soldaten in der Ukraine als Kriegsgrund betrachtet.

Militärexperte Reisner zieht daraus einen Zusammenhang: "Beide Ereignisse hängen aus meiner Sicht zusammen." Die Botschaft des Kreml laute: "Wir können euch jederzeit treffen."

Reisner warnt vor Winter

Nach Einschätzung des Militärexperten kann Russland seine Drohnen mithilfe von Relaisstationen im Grenzgebiet zwischen Belarus und Polen bis in unmittelbare Nähe der polnischen Grenze steuern. Die derzeit dafür verwendeten Drohnen könnten allerdings nur wenig Sprengstoff transportieren.

Reisner erwartet im Gespräch mit n-tv jedoch eine Verschärfung: "Sobald Russland in großen Mengen jetgetriebene Drohnen einsetzen wird, die derzeit vor allem nach der Produktion ins Lager kommen, wird sich spätestens im Winter die Bedrohungslage nochmal verschärfen".

Scharfe Reaktionen aus dem Westen

Auch auf politischer Ebene sorgte der Angriff für deutliche Reaktionen. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte, Russland wolle "ganz offensichtlich westlichen Ländern Angst davor machen, die Ukraine zu unterstützen".

Nato-Generalsekretär Mark Rutte betonte, Moskau werde nicht erreichen, "dass die Unterstützung der Nato-Länder für die Ukraine aufhört". Der Angriff zeige vielmehr, "wie verzweifelt Putin inzwischen ist".

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz rief die Unterstützer der Ukraine unterdessen dazu auf, standhaft zu bleiben. "Höchstwahrscheinlich liegen die entscheidenden Momente, vielleicht Wochen oder Monate vor uns", sagte er. Ein Erfolg Russlands hätte aus seiner Sicht "unvorhersehbare und beispiellose Folgen" für Europa.

Moskau verteidigte die Angriffe auf Bahnstrecken im Westen der Ukraine mit dem Argument, diese würden für europäische Waffenlieferungen genutzt. Kreml-Sprecher Peskow verwies zudem darauf, dass Ziele nahe der polnischen Grenze weiterhin auf ukrainischem Staatsgebiet liegen.

wil,15.09.2026, 11:17