Reisner schockt mit Prognose:

"Die Ukraine im Winter endgültig in die Knie zwingen"

Bundesheer-Oberst Markus Reisner erwartet verstärkte russische Luftangriffe auf die Ukraine und warnt auch vor hybriden Angriffen auf Europa.
André Wilding
09.09.2026, 09:00
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Russlands Offensive könnte sich in den kommenden Monaten verstärkt in die Luft verlagern. Bundesheer-Oberst Markus Reisner rechnet gegenüber der APA damit, dass Moskau den Winter nutzen will, um die ukrainische Energieversorgung weiter unter Druck zu setzen. Gleichzeitig warnt der Militärexperte vor einer Zunahme hybrider Angriffe gegen Europa.

Reisner sieht derzeit keine Anzeichen dafür, dass die jüngsten Vermittlungsbemühungen der USA zu einer Entspannung führen. Der russische Präsident Wladimir Putin sei "zutiefst überzeugt, die Ukraine im Winter endgültig in die Knie zu zwingen".

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Reisner sieht keine Deeskalation

Auch nach den diplomatischen Initiativen aus Washington erkennt der Bundesheer-Oberst keine Annäherung. "Wir sehen im Gegenteil eine Eskalation der Luftkriegsführung auf die Ukraine, und wir sehen auch eine Eskalation der hybriden Kriegsführung gegenüber Europa", sagt Reisner zur APA.

Nach dem Besuch von CIA-Direktor John Ratcliffe Ende August habe Russland seine Luftangriffe gegen die Ukraine deutlich verstärkt. Reisner wertet das als Signal aus Moskau: "Das ist eigentlich die Antwort von Putin auf die Initiative der USA gewesen."

Auch US-Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner hätten am Sonntag wegen vorheriger russischer Angriffe auf Flughäfen rund um Kiew nicht mit dem Flugzeug in die ukrainische Hauptstadt reisen können und stattdessen den Zug nehmen müssen.

Front nahezu erstarrt

Große russische Geländegewinne erwartet Reisner dennoch nicht. Die Front sei "mehr oder weniger nahezu erstarrt". Auf der "taktisch-operativen Ebene" seien deshalb "keine großen Veränderungen zu erwarten". Eine Ausnahme könnte eine zusätzliche russische Mobilisierung nach der Duma-Wahl darstellen.

Entscheidender sei für Moskau die "strategische Ebene". Russland greife gezielt Tankstellen und die Energieversorgung an. Nach Angaben des ukrainischen Energieministers seien rund 80 Prozent der kritischen Infrastruktur des Landes, insbesondere im Energiebereich, beschädigt oder zerstört.

"Das ist der Punkt, wo Putin ansetzt, und Putin glaubt, dass er jetzt diesen Winter nützen kann, um die Ukraine quasi in die Knie zu zwingen", stellt Reisner gegenüber der APA klar.

Abwehrraketen werden zum Problem

Eine entscheidende Schwachstelle der Ukraine sieht Reisner bei der Luftabwehr. Patriot-Abwehrraketen seien "das entscheidende Mittel, um sich gegen ballistische Raketen und Marschflugkörper zur Wehr setzen zu können".

In der Nacht auf Dienstag habe die Ukraine nur rund die Hälfte von etwa 60 russischen Raketen abschießen können. "Das ist die Achillesferse, die Putin erkennt."

Die USA hätten laut Reisner im Krieg gegen den Iran rund zwei Drittel ihres Bestands an Patriot-Raketen verbraucht. Dennoch gebe es noch Möglichkeiten für weitere Lieferungen. "Aber natürlich könnten die USA noch etwas liefern, beziehungsweise gibt es auch einige Staaten, die einen Bestand haben."

Kritik übt der Oberst auch an Europa. Dass die europäischen Staaten die Produktion von Flugabwehrsystemen nicht deutlich steigern konnten, bezeichnet er als "absolute Niederlage".

Eine mögliche Produktion von Patriot-Raketen in der Ukraine würde die aktuelle Lücke laut Reisner nicht rechtzeitig schließen, weil damit erst im Frühling oder Sommer begonnen werden könnte.

"Das ist jetzt das Entscheidende: Was passiert bis dorthin? Würden die USA es jetzt wirklich ernst meinen, dann würden sie den Ukrainern auch zugestehen, über die nächsten Monate eine gewisse Stückzahl an Raketen zu haben, damit sie diese Lücke überstehen können."

Die von Präsident Wolodimir Selenskij geforderten 300 Raketen hält Reisner für "sehr realistisch".

Russland baut neue Drohnenbasen

Gleichzeitig steigert Russland laut Reisner seine Produktion von Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. Während die Produktionsrate im Vorjahr noch bei etwa 130 bis 150 Stück gelegen sei, seien es inzwischen rund 200 Stück.

Zusätzlich stelle Russland auf schnellere Drohnen um. Während die bisher eingesetzten Garant-2-Drohnen von der Ukraine vergleichsweise häufig abgeschossen werden konnten, erreiche die Garant-5 laut Reisner bis zu 600 km/h. "Das macht es wieder extrem schwierig für die Ukraine", sagt Reisner zur APA.

Satellitenbilder würden außerdem zeigen, dass Russland in besetzten ukrainischen Gebieten und in Grenzregionen neue Abschussbasen für Drohnen errichte.

"Aufgrund dieser Abschussrampen kann man davon ausgehen, dass die Russen damit die Luftkriegsführung in den nächsten Monaten noch massiv steigern werden, also zusätzlich zu den ballistischen Raketen und Marschflugkörpern auch der Angriff mit diesen jetgetriebenen Garant-3-, 4- und 5-Drohnen, was den Druck auf die Ukraine natürlich zusätzlich erhöht."

Warnung vor Angriffen auf Europa

Reisner erwartet parallel dazu mehr hybride Aktionen gegen europäische Staaten. Ziel Moskaus sei es seiner Einschätzung nach, die Bevölkerung zu verunsichern und damit den politischen Druck auf Regierungen zu erhöhen, ihre Unterstützung für die Ukraine zurückzufahren.

Der Militärexperte rechnet dabei auch mit weiteren Sabotagefällen. Mit Blick auf einen Drohnenfund in Leipzig sagt er, ob ein Sprengsatz absichtlich oder zufällig nicht gezündet habe, mache "keinen Unterschied, weil man in beiden Fällen davon ausgehen muss, dass es zu einer Eskalation gekommen wäre."

Auch begrenzte russische Angriffe auf das Baltikum hält Reisner für "durchaus vorstellbar". Für Reisner steht deshalb fest, dass Europa mit einer weiteren Verschärfung der Lage rechnen muss. Er hält es für notwendig, sich auf weitere Eskalationen vorzubereiten.

{title && {title} } wil, {title && {title} } 09.09.2026, 09:00