Ständige Todesangst

"Erste Nacht seit Langem" – Wehrschütz lässt aufhorchen

ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz schildert aus Kyjiw, wie sich eine Nacht ohne ständige Angst vor Fliegeralarm anfühlt.
Newsdesk Heute
07.09.2026, 18:32
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Der langjährige ORF-Kriegskorrespondent Christian Wehrschütz (im Oktober wird er 65) hat dem Balkan bereits Lebewohl gesagt, will sich mit Jahresende in die wohlverdiente Pension zurückziehen.

Wer meint, dass er es jetzt ruhiger angehen würde, der irrt. Der Osteuropa-Experte verbrachte das Wochenende offenbar in Kyjiw.

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Am Sonntag meldete er sich mit einer Video-Botschaft auf Facebook zu Wort: "Es war die erste Nacht seit Langem, wo ich wirklich friedlich geschlafen habe." Zu verdanken habe er das der Anwesenheit der US-Delegation in der ukrainischen Hauptstadt und der vereinbarten Beschuss-Pause.

"Das ist wirklich ein ganz anderes Gefühl, einmal ohne das ständige Denken 'Wird's Fliegeralarm geben, oder nicht? Wenn ja, wie reagiere ich darauf?' einschlafen zu können", schildert Wehrschütz.

Seine Erleichterung legt den Finger in die Wunde: Die Bürger der Ukraine müssen seit Februar 2022 mit genau dieser Angst leben. Und mit immer mehr Drohnen am Himmel wird es zunehmend schlimmer.

Der Österreicher sagt, was rund um ihn wohl viele in Kyjiw hoffen: "Möge es in Zukunft viele derartige Nächte geben. Insbesondere für die geschundenen Bevölkerungen. Alles Gute."

"Kyjiw wird und kann das nicht annehmen"

Sein jüngstes Update von Montagabend zeigt ihn vor einem gelben Vorhang: Wehrschütz berichtet darin über kolportierte Details aus dem US-Friedensplan, der am Wochenende von Steve Witkoff und Jared Kushner der ukrainischen Führung vorgelegt worden war. Auch dieses Mal liest es sich wie eine Wunschliste des Kreml-Kriegstreibers.

"Die Punkte haben es in sich", sagt auch Ukraine-Kenner Wehrschütz. Offenbar verlangt US-Präsident Donald Trump neben einem vollständigen Waffenstillstand auch den Abzug aller ukrainischer Truppen aus dem Donbass – auch aus jenen Gebieten, die die russische Armee bisher nicht erobern konnte.

Auch einen Teil der Oblast Saporischschja sollen die Ukrainer räumen, mit einer Möglichkeit zur Stationierung von UNO-Soldaten dort. Die Ukraine solle auf den NATO-Beitritt verzichten und jeden Anspruch auf die bereits besetzten Gebiete aufgeben. Dazu sollen der Ukraine mehrere Verfassungsänderungen aufgezwungen werden. Erst danach könne es einen Friedensvertrag geben.

"Wenn man das zusammenfasst, stellt sich die Frage: Und was bekommt die Ukraine dafür?", so Wehrschütz. Auch er scheint fassungslos zu sein: "De facto ist das eine bedingungslose Kapitulation der Ukraine, die völlig in der Luft hängt, was ihre sicherheitspolitische Zukunft und die Integration in eine europäische Sicherheitsarchitektur betrifft. Kyjiw wird und kann das nicht annehmen."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 07.09.2026, 18:44, 07.09.2026, 18:32