Die diplomatische Bewegung im Ukraine-Krieg nimmt Tempo auf. Nach ihrem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin in Moskau sind die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner am Sonntag erstmals in Kyjiw eingetroffen. Dort begannen Gespräche mit der ukrainischen Seite.
"We began talks. Почали перемовини", schrieb Wolodymyr Selenskyj am 6. September um 13.21 Uhr auf X und veröffentlichte dazu ein Video. Auf Deutsch: "Wir haben Gespräche begonnen."
Über die Ankunft der beiden Männer in der Hauptstadt hatten zuvor mehrere ukrainische Medien berichtet. Die Nachrichtenagentur Unian zeigte ein Video, das Witkoff und Kushner bei der Ankunft mit dem Zug zeigen soll. Für die beiden Gesandten von US-Präsident Donald Trump ist es der erste Besuch in Kyjiw im Rahmen ihrer Vermittlungsbemühungen überhaupt.
Zuvor waren Witkoff und Kushner in Moskau. Dort hatten sie mit Putin rund drei Stunden über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gesprochen. Nach Angaben von Staatsmedien verließen die beiden US-Gesandten in der Nacht den Kreml. Das Weiße Haus sprach danach von "produktiven" Gesprächen, der Kreml nannte die Unterredung "äußerst ehrlich". Konkrete Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt.
Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, die US-Unterhändler hätten neue Vorschläge im Gepäck gehabt. Details nannte er nicht. Auch Trump hatte zuvor gesagt, Witkoff und Kushner würden mit einem Vorschlag anreisen.
Für zusätzliche Brisanz sorgten Aussagen aus Moskau vor dem Besuch. Peskow teilte laut der staatlichen Nachrichtenagentur TASS mit, Putin habe wegen des Besuchs der US-Unterhändler einen dreitägigen Stopp der Luftangriffe auf die ukrainische Hauptstadt angeordnet. Die Angriffspause sollte mit Tagesbeginn des Sonntags gelten.
Kurz vor der erwarteten Ankunft der US-Unterhändler warf Selenskyj Russland allerdings vor, Flughäfen der Hauptstadt beschossen zu haben. Die Flughäfen Schuljany und Boryspil seien "demonstrativ" zum ersten Mal seit einiger Zeit angegriffen worden, schrieb er in sozialen Netzwerken.
Selenskyj sah darin ein Signal Moskaus vor der möglichen Anreise der Amerikaner per Flugzeug. Die russischen Treffer seien eine Reaktion auf die Diskussionen und Vorbereitungen gewesen, dass die US-Seite in der Ukraine landen könnte. Die Ukraine werde ihre Drohnenangriffe zur Lähmung des russischen Flugverkehrs kommende Woche entsprechend ausrichten, drohte der Präsident.