Russland sagt offen völlige Auslöschung der Ukraine an

Die Gangart von Putins Propaganda-Maschine wird härter. In einem Medien-Beitrag wird bereits die völlige Auslöschung der Ukraine herbeigesehnt.

Putins staatliche Nachrichtenagentur "RIA Novosit" sorgt mit einem am Sonntag veröffentlichten Beitrag für internationale Aufregung. In seinem Kommentar mit dem Titel "Was Russland in Bezug auf die Ukraine tun sollte" betet der russische Journalist Timofei Sergeitsev laut "Focus" nicht nur die bereits altbekannten "Entnazifizierungs"-Narrative herunter, sondern postuliert auch die Auslöschung des souveränen Staates Ukraine als notwendige Folge. 

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Selbst für die Kreml-treuen Medien ist seine Wortwahl dabei schockierend martialisch. Doch, dass es sich dabei um einen ungewollten Ausreißer handelt, ist unwahrscheinlich. Die Zensoren des Medien-Wachhunds Roskomnadsor haben sämtliche Nachrichten-Unternehmen im Würgegriff, nichts geht durch, was gegen die Regierungslinie verstoßen könnte.

Der russische Journalist Timofei Sergeitsev bei einem Kongress 2017.
Der russische Journalist Timofei Sergeitsev bei einem Kongress 2017.Vladimir Gerdo / Tass / picturedesk.com

Krieg als "gerechte Strafe" für die Zivilbevölkerung

Sergeitsev bedient sich in seinem Pamphlet wiederholt der Behauptungen, die Ukraine werde von Nazis geführt. "Wir brauchen keine nazistische, bandenmäßige Ukraine, einen Feind Russlands und ein Instrument des Westens, um Russland zu zerstören", schreibt der Reporter. 

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Geht es nach ihm, zieht sich das nationalsozialistische Denken aber durch alle Bevölkerungsschichten. "Die Entnazifizierung gehört zu einer Reihe von Maßnahmen, die auf die nazifizierte Masse der Bevölkerung abzielen, die formal gesehen nicht direkt als Kriegsverbrecher bestraft werden kann". Der größte Teil der ukrainischen Bürger seien demnach "Komplizen des Nationalsozialismus" deren "gerechte Strafe" das "Erleiden der unvermeidlichen Härte eines gerechten Krieges" sein müsse.

Der russische Traum: Exekutionen, Gefängnis, Zwangsarbeit

In Sergeitsevs Macht-Fantasien sollen die "Elite-Banden liquidiert" und "diejenigen, die nicht mit der Todesstrafe oder einer Gefängnisstrafe belegt werden", in Zwangsarbeit die zerstörte Infrastruktur wieder aufbauen. Was dann von der Ukraine übrig bleibt, soll nach russischen Vorstellungen komplett umgebaut werden.

Der Name Ukraine könne "offensichtlich nicht als Name eines vollständig entnazifizierten Staatsgebildes auf dem vom Naziregime befreiten Gebiet beibehalten werden“, schwafelt Sergeitsev dahin. Seine gewünschte Entnazifizierung sei "zwangsläufig auch eine Entukrainisierung".

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Putins Butscha-Lüge durch Satellitenbilder entlarvt

Der bizarre Beitrag wurde kurz nach Bekanntwerden des Massakers in Butscha veröffentlicht. In dem ukrainischen Hauptstadtvorort sollen russische Soldaten hunderte Zivilisten getötet und ihre Leichen einfach auf den Straßen liegen gelassen haben. Die Bilder unabhängiger Journalisten vor Ort erschütterten die Welt.

"Alles Fälschungen", heißt es derweil aus dem Kreml. Die Russen verhöhnen die Opfer, behaupten, die Ukrainer hätten womöglich ihre eigenen Landsleute getötet und die Leichen nach dem Abzug der russischen Soldaten erst dort für die Weltöffentlichkeit drapiert.

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Satellitenbilder von Mitte März – also während der Besatzung – zeigen allerdings schon Leichen genau dort, wo sie später gefunden wurden und entlarven so die Behauptungen von Wladimir Putins Häschern als eiskalte Lügen.

Die Russen sehen sich also weiterhin als Befreier. Vielleicht sollten man sich dies- und jenseits des Urals aber einmal fragen, wer denn historisch noch so offen über die "Säuberung" eines ganzen Volkes schwadroniert und darüber blutige Kriege angefangen hat...

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