Im alltäglichen Verkehr dominiert oft das "Recht des Stärkeren". Die Wissenschafter setzten sich mit den emotionalen Aspekten täglicher Wege auseinander und fanden heraus, dass jeder vierte Radfahrer und jeder zehnte Fußgänger oft Angst vor Begegnungen mit dem Autoverkehr hat. Junge Menschen würden in Konfliktsituationen eher offensiv agieren, während sich ältere Menschen und Frauen in diesen Situationen eher zurückhielten, so eine aktuelle Studie der Universität Salzburg.
"Die Ergebnisse zeigen, dass es Gruppen im Verkehr gibt, die sich ganz bewusst zurückziehen und eine direkte Auseinandersetzung scheuen", so Studienautorin Elisabeth Donat von der Abteilung für Soziologie der Uni Salzburg. Es habe sich gezeigt, dass die Bereitschaft oder das Zutrauen, Konflikte selbst zu lösen, nicht in allen gesellschaftlichen Gruppen gleich ausgeprägt sei.
Die Ergebnisse im Detail:
Vor allem bei Behinderungen oder Verzögerungen gehen die Emotionen hoch.
Radfahrer und Fußgänger haben eine stark ausgeprägte Angst vor motorisierten Verkehrsteilnehmern
Senioren suchen die Schuld für konfliktbelastete Situationen oft bei sich selbst.
Frauen wählen deutlich öfter als männliche Befragte die Option "ich ärgere mich, mache aber gar nichts"
Die Forderung nach mehr Recht und Ordnung im Straßenverkehr fordern verstärkt ältere Personen und niedriger gebildete Befragte.
Einen Ausbau der Videoüberwachung im öffentlichen Raum wünscht sich fast die Hälfte der Befragten mit Pflichtschulabschluss, während nur ein Viertel der Befragten mit Universitätsabschluss einem solchen Ausbau zustimmen würde.
Laut der Studienautorin genießt Autofahren in weiten Bevölkerungsteilen hohes Ansehen.
Die mehrheitlich männliche Gruppe der Autofahrer zeige ein "ganz klares soziales Muster".
Vor allem Personen mit höherer Bildung, sowie Personen, die im Erwerbsleben stehen, fahren eher mit dem Auto, als weniger Gebildete, junge Menschen und Senioren.
Das durch das Auto vermittelte "Wohlgefühl der Individualität" ginge zwar zulasten der Umwelt und anderer Verkehrsteilnehmer, diese Aspekte würden von den Autofahrern aber oft ausgeblendet.
Für ihr Forschungsprojekt "Bewegtes Leben" befragten die Wissenschafter insgesamt 600 Bürger aus Innsbruck und der Stadt Salzburg in Telefoninterviews.