Schaden Mandel-OPs mehr, als sie nützen?

Sind Hals und Mandeln oft entzündet, heißt es schnell: "Die Mandeln müssen raus." Doch der Eingriff ist in Verruf geraten. Eine neue Studie zeigt, warum.

Rausnehmen oder drin lassen? Mit dieser Frage sehen sich Hals-Nasen-Ohren-Ärzte immer dann konfrontiert, wenn die Mandeln (Tonsillen) ihrer Patienten wiederholt Probleme bereiten. Doch immer seltener ist die Antwort darauf klar. Denn galt die Entfernung der Mandeln früher noch als einzige Option, gibt es heute Zweifel, was die langfristigen Folgen angeht.

Der Grund: Die Mandeln sind die erste Station des Körpers, an der Bakterien lokalisiert werden. Somit funktionieren sie als Detektoren schädlicher Organismen. Wurden sie aber in frühen Jahren entfernt, können sie diese Aufgabe nicht mehr übernehmen, und die Erreger gelangen folglich tiefer in den Körper.

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Früher Eingriff, spätes Leiden?

Was das auf lange Sicht für die Gesundheit bedeutet, hat nun ein internationales Forscherteam untersucht. Das Team um Jacobus J. Boomsma von der Universität Kopenhagen wertete dafür die Daten von rund 1,2 Millionen Männern und Frauen aus, die zwischen 1979 und 1999 in Dänemark geboren wurden.

Bei 17.460 waren vor dem neunten Geburtstag die Gaumenmandeln entfernt worden, bei 11.830 die Rachenmandeln, bei 31.377 sowohl Gaumen- als auch Rachenmandeln.

Deutliche Resultate

Die Analyse führte zu der Erkenntnis, dass nach Mandeloperationen mit einem erhöhten Langzeitrisiko für Atemwegs-, Infektions- und allergische Erkrankungen gerechnet werden muss, heißt es im Fachjournal "Jama Otolaryngology Head and Neck Surgery". Darunter fallen Erkrankungen wie Asthma, Grippe und Lungenentzündung, aber auch Nasennebenhöhlen- und Halsentzündungen.

Konkret zeigte sich, dass diejenigen, denen die Gaumenmandeln entfernt worden waren, bis zum 30. Lebensjahr ein fast dreimal so hohes Risiko für Erkrankungen der oberen Atemwege hatten als die Nichtoperierten. Die Entfernung der Rachenmandeln war mit einem etwa verdoppelten Risiko für diese Krankheiten verbunden. Auch das Risiko für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) war nahezu doppelt so hoch.

Erst denken, dann entscheiden

Das deutet darauf hin, dass eine Mandelentnahme vor dem Ausreifen des Immunsystems zu lebenslangen Problemen führen kann, so Boomsma und seine Kollegen in einer Mitteilung. Sie empfehlen deshalb, stets den potenziellen Nutzen und Schaden einer Mandel-OP abzuwägen und zu versuchen, die Mandeln so spät wie möglich zu entfernen. (Red)

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