44 Jahre nach der berüchtigten "Schande von Gijon" könnte Österreich bei der Fußball-WM erneut in eine heikle Konstellation geraten. Vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Algerien am Sonntag (4.00 Uhr) würde nach aktuellem Stand beiden Mannschaften ein Remis zum Aufstieg reichen.
Erinnerungen an die "Schande von Gijon" 1982 werden wach, als Österreich und Deutschland nach einem frühen 1:0 der DFB-Elf den Ball nur noch hin- und herschoben und damit gemeinsam aufstiegen. Algerien schied damals aus, das Spiel ging als eines der größten WM-Skandale in die Geschichte ein.
ÖFB-Star Christoph Baumgartner will von einer Wiederholung aber nichts wissen. "Wir sind alle Fußballer. Unsere Herangehensweise ist immer so, dass wir Spiele gewinnen wollen", stellte der Offensivspieler klar. Von Beginn an auf ein Unentschieden zu spielen, komme für die ÖFB-Auswahl nicht infrage. "Wir werden auf jeden Fall auf Sieg spielen."
Ganz ausschließen wollte Baumgartner aber nicht, dass die Spielentwicklung Einfluss auf das Risiko beider Mannschaften nehmen könnte. "Klar kann es sein, hintenraus steht es unentschieden und es ist eine enge Partie. Dann riskieren vielleicht beide Mannschaften nicht mehr das letzte Hemd." Das sei allerdings etwas völlig anderes als die Ereignisse von Gijon. "Wenn sich eine Konstellation ergibt, die für beide Teams passt, dann spielen vielleicht nicht mehr beide mit offenem Visier, sondern taktisch clever. Das hat aber nichts mit der 'Schande von Kansas' zu tun."
Baumgartner sieht die Herangehensweise des ÖFB-Teams eindeutig. "Am Ende des Tages werden wir bis Samstag aber nicht wissen, wie es genau aussieht." Erst die Resultate der anderen Gruppen würden zeigen, welche Auswirkungen ein Remis tatsächlich hätte. Die Marschroute ändere das aber nicht.
Abseits des Rasens übernimmt Baumgartner während der WM dennoch eine wichtige Rolle. Vor dem Spiel gegen Weltmeister Argentinien (0:2) hielt der 26-Jährige die letzte Ansprache in der Kabine. "Ich glaube, dass ich ein ganz gutes Bindeglied sein kann zwischen Mannschaft und Trainerteam. Ich kenne die Jungs gut, weiß, was in ihren Köpfen abgeht." Mit Blick auf die Spiele mache er sich Gedanken, was der Mannschaft helfen könne. Eine Trainerlaufbahn schließt er dennoch aus. "Ich möchte irgendwann sesshaft werden. Das ist als Trainer schwierig."