Die Regierung will die §57a-Überprüfung – im Volksmund "Pickerl" genannt – reformieren und von bisher 3-2-1 (bei Neukauf nach drei Jahren, dann nach zwei und dann jährlich) auf ein neues Intervall von 4-2-2-2-1 umstellen. Ziel ist es, Autofahrer finanziell zu entlasten und den bürokratischen Aufwand zu reduzieren. Gerade in Zeiten hoher Mobilitätskosten klingt das nach einer guten Nachricht.
Doch beim ÖAMTC sieht man die Sache deutlich kritischer. Club-Experte Bernhard Wiesinger spricht von einem unausgereiften Plan. Der Grund: Rund zwei Millionen Fahrzeughalter müssten extra zu einer Prüfstelle fahren, nur um eine neue Plakette abzuholen und den Termin aktualisieren zu lassen. Das sei nicht nur mühsam, sondern verursache auch zusätzliche Verwaltungskosten von rund 23 Millionen Euro.
Dabei gäbe es laut ÖAMTC eine einfachere Lösung: ein digitales Pickerl. Damit könnten viele Wege und Kosten eingespart werden. "Das wäre echte Entlastung", so Wiesinger – auch wenn die Umsetzung länger dauern würde.
Zusätzlich sorgt die Reform für regionale Unterschiede. Eine Auswertung zeigt: In alpinen Regionen treten deutlich häufiger schwere Mängel auf als im Flachland. Nach fünf Jahren hat im Flachland etwa jedes vierte Auto einen schweren Mangel, im Bezirk Liezen sind es bereits rund 38 Prozent. Nach zehn Jahren steigt der Unterschied noch stärker an – auf 35 Prozent im Flachland gegenüber 56 Prozent in Liezen.
Der Grund liegt laut ÖAMTC vor allem an härteren Wintern und dem Einsatz von Streusalz. Längere Prüfintervalle könnten dazu führen, dass Schäden später entdeckt werden und Reparaturen dadurch deutlich teurer werden. Für viele Autofahrer in den Bergen könnte sich die Reform daher sogar negativ auswirken.
Auch beim Thema Verkehrssicherheit sieht der Club offene Fragen. Internationale Studien zeigen, dass weniger Kontrollen durchaus Auswirkungen auf das Unfallgeschehen haben können. In Österreich fehlen dazu allerdings klare Daten. Der ÖAMTC fordert daher, die Entwicklung genau zu beobachten und bei Bedarf rasch nachzubessern.