Ein neuer Hoffnungsträger im Kampf gegen starkes Übergewicht hat in Wien einen herben Rückschlag erlitten. Eine Studie mit einem schluckbaren Magenballon musste nach schweren Komplikationen bei zwei von fünf Teilnehmern vorzeitig beendet werden.
Die Idee klang vielversprechend: Ein kleiner Ballon sollte einfach geschluckt werden und sich erst im Magen durch die Körpertemperatur auf seine volle Größe ausdehnen. So sollte ein Sättigungsgefühl entstehen – ganz ohne Magenspiegelung oder operative Eingriffe.
Bisher werden Magenballons meist mithilfe einer Gastroskopie eingesetzt und später wieder entfernt. Das neue System sollte diesen Schritt überflüssig machen. Zum Einsatz kamen kleine Silikon-Ballons, die sich im Magen auf ein deutlich größeres Volumen aufblasen und dort für ein schnelleres Sättigungsgefühl sorgen sollten.
Getestet wurde das Verfahren bei Menschen mit starkem Übergewicht. Zunächst sollten fünf Personen teilnehmen, später war eine Ausweitung auf insgesamt 20 Probanden geplant.
Doch schon nach den ersten Behandlungen zeigten sich Probleme. Bei mehreren Ballons wurden Schäden an der Hülle festgestellt, außerdem drang Gallenflüssigkeit in die Silikonfüllung ein. Besonders schwer wogen jedoch zwei Notfälle: Bei zwei Teilnehmern wanderte ein Ballon aus dem Magen in den Dünndarm und verursachte dort einen Darmverschluss. Beide Patienten mussten notfallmäßig operiert werden, um die Ballons zu entfernen.
Die Forscher zogen daraufhin die Reißleine. "Aufgrund zweier schwerwiegender unerwünschter Ereignisse wurde die Studie nach Einschluss von fünf Patienten vorzeitig abgebrochen. Bei zwei Patienten kam es zu einem Dünndarmverschluss durch Wanderung des Ballons durch den Magenpförtner. Das machte eine notfallmäßige laparoskopische Öffnung der Darmwand und die Ballonentfernung notwendig", so die Wissenschaftler.
Das Forschungsteam kommt zu einem klaren Schluss: Das Produkt sei in seiner derzeitigen Form nicht für den Einsatz in der klinischen Praxis geeignet.
Die Entwickler wollen das Konzept dennoch nicht aufgeben. Auf ihrer Website erklären sie: "Obwohl die Studie nicht zum gewünschten Ergebnis führte, demonstrierte sie erfolgreich mehrere Schlüsselaspekte des Gerätekonzepts, insbesondere die Fähigkeit der Patienten, den Magenballon zu schlucken und ihn problemlos im Magen aufdehnen zu lassen." Demnach wurde die Form des Ballons bereits verändert. Eine überarbeitete Version soll nun in weiteren Studien getestet werden.