Mietpreise – "Schmerzgrenze von 1.000 € überschritten"

Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert Mietzinsbeschränkungen und Indexanpassungen.
Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert Mietzinsbeschränkungen und Indexanpassungen.Arbeiterkammer Oberösterreich
Wenn Wohnen zum Luxus wird: Die Arbeiterkammer warnt vor explodierenden Mietpreisen. Und fordert mehr gesetzliche Maßnahmen.

Angesichts der höchsten Inflation seit 70 Jahren sind Mieter mit explodierenden Mietpreisen konfrontiert. Vielen Familien mit kleinen und mittleren Einkommen drohe deshalb laut Arbeiterkammer Oberösterreich der Verlust ihrer Wohnungen. Diese seien einfach nicht mehr leistbar.

"Es braucht Mietzinsbeschränkungen"

Deshalb sei es jetzt notwendig, die Mietpreise gesetzlich zu verändern, fordert AK OÖ-Präsident Andreas Stangl die Bundesregierung auf: 

"Es braucht Mietzinsbeschränkungen und das Aussetzen der Indexanpassung, solange die Inflation derart hoch ist", erklärt Stangl. Besonders stark betroffen von der Preisexplosion sind zwei Gruppen: Mieter von Wohnungen in Ein- und Zweiparteienhäusern und jene von Wohnungen in Mehrparteienhäuser, die ohne Fördermittel nach 1952 gebaut wurden.

Da diese nicht preisgeschützt sind, wirkt die prozentuelle Indexerhöhung bei ohnehin schon teureren Wohnungen noch stärker. Da vor allem im städtischen Bereich Wohnraum knapp und die Nachfrage hoch ist, sind die Mieten im privaten Wohnbau teuer. Zusätzlich würden Mieter jetzt auch noch durch Mietzinsanhebungen im Rahmen der Wertsicherungsklauseln finanziell belastet.

Dreiköpfige Familie zahlt 1.000 Euro

Die AK berichtet von einer dreiköpfigen Familie, die massiv von den Preissteigerungen betroffen ist. Seit Jänner 2020 bewohnt sie eine Linzer Mietwohnung. Der Nettomietzins für die 79 Quadratmeter betrug damals 660 Euro. Inklusive Steuern, Betriebs- und Heizkosten ergaben die monatlichen Kosten in Summe 940 Euro. Das war deutlich unter der selbst gesteckten Obergrenze von 1.000 Euro.

Wenn sich der Verbraucherpreisindex um mehr als drei Prozent ändert, wird die Miete angepasst, so steht es im Mietvertrag. Nach eineinhalb Jahren Mietdauer geschah das zum ersten Mal. Durch die hohe Inflation wurde diese Schwellgrenze heuer schon dreimal überschritten. Aus diesem Grund stieg die Miete – inklusive Umsatzsteuer – bereits um 100 Euro. Rechnet man die höheren Betriebs- und Heizkosten noch dazu, ist die Schmerzgrenze von 1.000 Euro überschritten.

"Viele Arbeitnehmer mit kleinen und mittleren Einkommen fürchten sich vor dem finanziellen Kollaps und vor dem Verlust ihrer Wohnung", erklärt AK OÖ-Präsident Stangl.

Mieten müssen wieder leistbar sein, so Stangl, der gesetzliche Mietzinsbeschränkungen für alle Mietwohnungen fordert. Außerdem soll die Indexanpassung bei geltenden Mietverträgen für eine bestimmte Zeit begrenzt werden.

Bedenkliche Umfrage

Eine Umfrage des Instituts für empirische Sozialforschung vom April und Mai 2022 sorgte für Beunruhigung: Wie "Heute" berichtete, empfinden 60 Prozent der Befragten ihre monatliche Miete samt Betriebskosten als "sehr belastend" oder "eher belastend". Die Befragung wurde von der Arbeiterkammer OÖ in Auftrag gegeben.

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