Gewalt, Drogen, Sachbeschädigung. Zuletzt schockierten hier Kinder, die sich mit Elektroschockern jagten. Das einstige Vorzeige-Grätzl "Sonnwendviertel" in Wien-Favoriten mutiert für viele Anrainer zum Albtraum.
Anrainer klagen seit Jahren über Aggression, Lärm und Vandalismus – jetzt spitzt sich die Lage weiter zu. Teenager würden das Sonnwendviertel "belagern" und Anrainer in Angst und Schrecken versetzen. Ein neues Video zeigt nun schockierende Szenen.
Wie in dem Leserreporter-Clip zu sehen ist, hantieren zwei Teenager im Innenhof eines Wohnhauses in der Vally-Weigl-Gasse offensichtlich mit einer Pistole. Dann fallen Schüsse, während einer der Teenager die Waffe nach unten gerichtet hält.
Die Aufnahme soll vom Mai stammen. Skurril: Zum Vorfall ging scheinbar keine Anzeige bei der Polizei ein. Ein Leser und Augenzeuge erklärt, warum: "Es passiert hier täglich etwas, viele Anrainer haben schlichtweg aufgegeben und erwarten sich auch keine Besserung mehr – da hilft auch keine Anzeige."
Für den "Heute"-Leser ist dieses verstörende Video kein Einzelfall: Im Laufe der Jahre soll es immer häufiger zu Drogenhandel, Schlägereien sowie Einbrüchen in Kellerabteile und Stiegenhäuser gekommen sein. Für die Sicherheit seiner Familie sieht der Wiener im Sonnwendviertel schwarz: "Meine Frau geht gar nicht mehr hinaus."
Zu den Betroffenen zählt auch Johann Posch. Der 72-Jährige lebt seit rund zehn Jahren im Sonnwendviertel und erinnert sich noch gut an die Anfänge. "Sie haben uns mit Versprechen von Natur und Feldhasen hergelockt. Den heutigen Zustand kann man nicht mehr mit damals vergleichen", sagt er gegenüber der "Kronen Zeitung".
Er fordert daher, Wohnhäuser und Innenhöfe besser abzusichern und einzuzäunen. Unterstützung erhält diese Forderung von FPÖ-Bezirksparteiobmann Stefan Berger und Wohnombudsmann Michael Niegl. "Die Wohnbauträger und Stadt sind aufgefordert, die Anlagen zu verschließen, um den Bewohnern wieder Lebensqualität und Sicherheit zurückzugeben", teilen sie in der "Krone" mit.
Im Büro von Bezirksvorsteher Marcus Franz (SPÖ) verweist man gegenüber "Heute" auf bereits gesetzte Maßnahmen. Das Fair-Play-Team wurde aufgestockt, zusätzlich sorgt ein privater Sicherheitsdienst für mehr Präsenz. Beide Projekte werden vom Bezirk bezahlt und hätten die Lage bereits verbessert.
Auch der Jugendtreff Sonnwendviertel sucht laufend das Gespräch mit Jugendlichen und versucht, durch Vertrauensarbeit Konflikte zu entschärfen. Gleichzeitig fordert Franz – wie er gegenüber der "Krone" erklärt – mehr Polizeipräsenz. Seiner Ansicht nach wäre das Sonnwendviertel zudem ein sinnvoller Einsatzort für die im März 2024 gegründete Einsatzeinheit gegen Jugendkriminalität.
Die Wiener Polizei sieht derzeit allerdings keine auffällige Entwicklung. Laut "Krone" gab es in den vergangenen Monaten im Sonnwendviertel kein erhöhtes Einsatzaufkommen wegen Jugendkriminalität. Straftaten würden dennoch konsequent verfolgt – gerade bei jugendlichen Verdächtigen sei die Aufklärungsquote hoch.