Ärzte schlagen Alarm: Immer mehr Jugendliche erkranken an Essstörungen. Besonders Frauen und Mädchen sind davon betroffen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen sind bereits 90 Prozent der von Essstörungen Betroffenen weiblich, lediglich 8 Prozent männlich.
Besonders der Leistungsdruck und die unrealistischen Schönheitsideale auf Social Media sind die Ursachen, dass immer mehr Jugendliche an Essstörungen leiden. Das wurde auch auf der zweitägigen Tagung aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Bozner Beratungsstelle für Essstörungen „Infes"von Experten aus Norditalien, Südtirol, Nordtirol und der Schweiz bestätigt.
Während Mädchen ihren Körper dabei den Ansprüchen der Mode-Industrie und dem geltenden Schönheitsideal unterwerfen, betrifft die Krankheit bei Buben vor allem sportlich Ehrgeizige, sagt der Primar der Abteilung Pädiatrie im Krankenhaus Brixen Markus Markart zu RAI Südtirol. Schon 9-Jährige würden unter Essstörungen leiden: "Wir können einen Fall beschreiben von einem Jungen, der ein guter Sportler war, der sehr gut Fußball spielen hat können und der geglaubt hat, wenn er jetzt abnimmt, dann läuft er schneller, kann besser mit der Mannschaft mitspielen, die in einer höheren Liga spielt."
Die Chefärztin Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Zürich Dagmar Pauli kritisierte auf "Heute.at"bereits zuvor Schönheitsideale, die nichts mit biologischen Tatsachen zu tun hätten und trotzdem auf Social Media fleißig geteilt würden. Eine neue Studie zeigt auch interessante Zusammenhänge zwischen Essensverhalten und Dating-Apps.
Bei den Mädchen sei es natürlich, dass mit der Pubertät Rundungen entstünden, bei den Jungen unrealistisch, dass schon im Alter von dreizehn oder vierzehn Muskelpakete wüchsen.
Trotzdem raten die Experten von einem Social-Media-Verbot ab, weil das für die Jugendlichen nur zu sozialer Isolation führt. Viel wichtiger wäre es laut Pauli, schon in den Schulen auf ein positives Körperbewusstsein der Kinder und Jugendlichen hinzuarbeiten. Für Eltern sei es eine große Belastung, zuschauen zu müssen, wie sich das eigene Kind bis zu einem lebensbedrohlichen Untergewicht hungert. Fachleute raten dazu, sich schon Hilfe zu holen, bevor der Gewichtsverlust allzu drastisch ist.