Schon wieder tödliches Brunnen-Drama in Spanien

Ein 45-Jähriger ist bei Villanueva del Trabuco in einen Schacht gefallen und gestorben. Er wollte wohl seinen Hund retten, der in den Brunnen gestürzt war.
Er wollte nur mit seinem Hund Gassi gehen, doch ein 45-jähriger Spanier kehrte von diesem Spaziergang nicht mehr zurück. Nachdem Angehörige den Notruf alarmiert hatten, entdeckten Rettungskräfte den Mann leblos in einem Brunnenschacht bei Villanueva del Trabuco. Nach dem tödlich verunglückten Julen ist das bereits das zweite Brunnen-Opfer in nur kurzer Zeit in der spanischen Provinz Málaga.

Doch anders als beim zweijährigen Julen, der in einen ungesicherten, 107 Meter tiefen Schacht gefallen war, war der Brunnen mit einem hüfthohen Betonrand gesichert, wie die "Bild"-Zeitung schreibt.

Die Familie des Verstorbenen glaubt, dass der Mann wohl seinen Hund retten wollte, der zunächst in den Schacht gefallen sein könnte, und dabei selbst hinabstürzte. Das Tier wurde ebenfalls tot am Boden des Brunnens entdeckt.

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Über eine Million illegaler Löcher

In Spanien sind offene Löcher keine Seltenheit. Nach Schätzung der Umweltorganisation Greenpeace gibt es im ganzen Land über eine Million solcher illegaler Bohrungen. Die Zeitung "El Mundo" schrieb, in Wirklichkeit seien es viel mehr. Und "diejenigen Bohrungen, die nicht zum Erfolg führen, werden mehr schlecht als recht zugedeckt".

Seit Jahren regnet es in Spanien aufgrund des Klimawandels zu wenig. Flüsse trocknen aus, vor allem im Süden und im Landesinneren gibt es immer mehr steinwüstenähnliche Landschaften. Besitzer von Grundstücken und Fincas beauftragen deshalb sogenannte "Poceros", erfahrene Löchergräber, mit Bohrungen, die oft in Nacht- und Nebelaktionen gegraben werden. Im Volksmund heißen diese Schächte deshalb "Mondscheinlöcher".

Der erfahrene "Pocero" Antonio Jesús Perálvarez, der für seine Arbeit 2.000 bis 4.000 Euro kassiert, nahm im Gespräch mit der Zeitung "El Mundo" kein Blatt vor den Mund. "Meine Aufgabe ist es, das Loch zu bohren. Um die Abdeckung kümmert sich auch bei legalen Bohrungen der Auftraggeber. Zumal der oft nach einigen Tagen wieder schauen will, ob Wasser herauskommt." Normal sei es, die Öffnung des Loches "mit einem großen Stein zuzudecken, den ein Kind nicht hochheben kann".

Ermittlungen eingeleitet

Im Fall von Julen bleiben viele Fragen ungeklärt. Arbeiteten die Retter gut genug, schnell genug? Die Meinungen gehen auseinander. Der tragische Unfall, der die Welt bewegt, bringt ein großes Problem schonungslos ans Licht.

Auch wenn die spanischen Behörden bereits Ermittlungen eingeleitet hatten: Die Frage nach dem oder den Schuldigen beschäftigte die Spanier und die Welt zunächst eher weniger. Die an der Suche beteiligten Experten und Politiker hatten aber stets alle Zweifel und jede Kritik zurückgewiesen. Und schlechte, zu langsame Arbeit? "Nichts wurde dem Zufall überlassen. Eine vergleichbare Aktion hat es noch nie gegeben", sagte der Präsident des Feuerwehrverbandes von Málaga, Francisco Delgado Bonilla. Man habe "eine sehr anspruchsvolle Arbeit, für die man eigentlich Monate braucht, in Tagen geschafft."

Eines steht aber schon länger fest: Julen und auch die Eltern und die Nachbarn des Kleinen, die durch eine schier unendliche Hölle der Gefühle getrieben wurden, sind neue, ganz besondere Opfer des spanischen Dürredramas. Der 107 Meter tiefe Brunnenschacht, in den das Kind am 13. Jänner bei einem Familienausflug stürzte, wurde nach Behördenangaben auf der Suche nach Wasser ohne Genehmigung gegraben. (bee/sda)

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