Wien

Schul-Chaos: Intensivpfleger musste für Kinder kündigen

40 Wochenstunden oder gar nicht. Obwohl es stark an Pflegern mangelt, musste ein zweifacher Vater nun kündigen. Wieso, erzählt er Patrick Budgen.
Leo Stempfl
08.01.2022, 20:49

Christoph Hauptmann ist 38 Jahre alt, Vater von zwei Volksschulkindern und arbeitete bisher als Intensivkrankenpfleger. Am Montag soll es für seine Kinder – bei explodierenden Corona-Zahlen und anlaufender Omikron-Welle – zurück in die Schule gehen. Doch von der Politik fühlt er sich dabei alleingelassen, wie er in der "Wien heute"-Interviewreihe "Bei Budgen" auf "ORF2" erzählt. 

Kinder öfter krank

Er findet: "Die Entscheidung, Omikron durch die Schulen rauschen zu lassen, ist grob fahrlässig." Dort laufe vieles falsch, erzählt er Star-Moderatur Patrick Budgen. Die Tests würden nur unzureichend funktionieren, durch das ständige Lüften im Winter seien die Kinder außerdem einfach öfter krank. Grundsätzlich gehe es den beiden Buben aber gut, "sie sind das schon gewohnt, die Pandemie".

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Aber natürlich fehle ganz vieles. "Es fehlen die Freunde, es fehlt dieses unkomplizierte, spontane Mal-Rausgehen." Unterricht im Turnsaal gibt es nicht mehr, sondern nur noch Hof-Pausen. Seit Mitte Dezember sind beide geimpft, der zweite Stich war Mitte Dezember. Da beide Eltern in der Pflege tätig sind, wissen sie, was Corona anrichten kann. Zumindest die erste Woche geht es für die Kinder deswegen nun in die Schule. 

Kündigung nach elf Jahren

Christoph selbst war die letzten elf Jahre in der Intensivpflege tätig, hat nun aber gekündigt. Ursprünglich war er auf 30-Stunden-Basis in der Elternteilzeit. Per Whatsapp dann die kurzfristige Info, dass man diese Handhabe nicht verlängern wird.

40 Stunden in der Woche, wenn beide Eltern im Schichtdienst sind, sei mit den Kindern aber einfach nicht vereinbar. Auch offene Schulen oder Ganztagsbetreuung ändern daran nicht, denn der Dienst kann auch von von 19 Uhr bis 7 in der Früh gehen – "Da gibt's keine Betreuung."

Ihn stört, dass immer gesagt wird "koste es, was es wolle", bei den Schulen und Kindern dann aber gespart werde. Klare Vorgaben würden etwa bei den Tests sehr viel Druck wegnehmen. "Aus meiner Sicht gibt es kein Konzept." Ein solches brauche es jetzt im Kampf gegen Omikron aber dringend.

Mehr zum Thema