Eigentlich ist Russell als Topfavorit auf den Fahrer-WM-Titel in die neue Saison gegangen. Aufgrund der umfangreichen Regeländerungen wurde den "Silberpfeilen" die klare Favoritenrolle eingeräumt, Russell als Teamleader und routinierter Fahrer da klar vor seinem Teamkollegen Andrea Kimi Antonelli gesehen. Doch die Realität sieht anders aus. Nach drei Rennsiegen in Serie führt das italienische Motorsport-Talent Antonelli die Formel 1 an – eine große Überraschung.
Und das nagt an Russell. Der Brite hat bereits 20 Punkte Rückstand auf seinen Teamkollegen. Und Antonelli scheint auch bei Teamchef Toto Wolff das größere Ansehen zu genießen. Das stellte zumindest auch "Sky"-Experte Ralf Schumacher im Podcast "Backstage Boxengasse" in den Raum. "George hat einen sehr, sehr schweren Stand bei Mercedes", meinte der Deutsche, erinnerte auch an das Vorjahr.
Da wäre Russells Vertrag am Jahresende 2025 ausgelaufen. Mit der Verlängerung ließ sich Wolff aber lange Zeit – bis in den Oktober. Auch, weil die "Silberpfeile" im Sommer versucht hatten, Vierfach-Weltmeister Max Verstappen von Red Bull loszueisen, und auch weil sie wussten, dass Russell kein anderes Top-Cockpit in Aussicht hatte. "Man hat bis zum letzten Moment gewartet, ob Verstappen nicht doch noch Lust hat. Er war ja schon immer Plan B. Das ist nicht schön, das macht etwas mit einem Menschen", so der Ex-Pilot. Verstappen hatte sich schließlich zum Verbleib bei den Bullen entschieden. Auch, weil eine Ausstiegsklausel im Sommer nicht griff.
Diese Ausstiegsklausel wird Ende Juli aber greifen, nachdem Verstappen aktuell bloß Siebter in der Fahrer-Weltmeisterschaft ist, eigentlich unter die Top Drei kommen müsste – bei der aktuellen Performance-Schwäche des RB22 undenkbar. Außerdem könnte am Jahresende wieder eine Tür aufgehen, wie Schumacher nun in den Raum stellte. Russell habe zwar "einen guten Vertrag" bekommen. "Ich habe aber nun am Rande mitbekommen, der (Vertrag, Anm.) soll nur ein Jahr sein", ließ Schumacher aufhorchen. Ursprünglich war von einem mehrjährigen Vertrag ohne genaue Angabe der Laufzeit gesprochen worden. Gut möglich, dass es auch hier Ausstiegsklauseln geben könnte.
"Dann hat er kein gutes Management, ich hätte das so nicht getan. Aber es war schon so spät, dass er wahrscheinlich keine andere Wahl hatte. Das macht auch etwas mit einem", so der Bruder von Siebenfach-Weltmeister Michael Schumacher.
Nun würde "der Kleine", also Antonelli, daherkommen und von Sieg zu Sieg rasen. "Er macht es richtig gut, war eine Einheit mit dem Auto", so Schumacher. Dann würde auch "die menschliche Komponente" hinzu kommen, würde auch Russell sehen, wie Wolff bei Antonelli-Siegen jubelt. So könnte sich Antonelli schrittweise zur Nummer eins entwickeln. Dann würde Russell etwa bei der Autoentwicklung "auch gar nicht mehr gefragt" werden, mahnte der Ex-Pilot.