Schweiz verschenkt Millionen AstraZeneca-Impfungen

Das internationale Hilfsprogramm Covax soll 5,3 Millionen Portionen des umstrittenen Impfstoffs von AstraZeneca von der Schweiz bekommen. Aus Angst?

In Europa und Nordamerika sind immer mehr Menschen gegen Covid-19 geimpft. Aber in vielen ärmeren Ländern bekommt nur ein Bruchteil der Bevölkerung Schutz. NGOs appellierten deshalb an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des derzeitigen G7-Gipfels, die Patente für Impfstoffe freizugeben.

Dagegen sträuben sich die G7-Länder aber weiterhin. Dafür haben sie nun versprochen, bis Ende nächsten Jahres mit 2,3 Milliarden Covid-Impfdosen helfen zu wollen. Seit einem guten Monat ist bekannt, dass auch die Schweiz dem internationalen Hilfsprogramm Covax drei Millionen Dosen schenken will. Nun soll die Hilfe um weitere 2,3 Millionen Portionen aufgestockt werden, wie der "Tages-Anzeiger" berichtet.

Die Schweiz sei reichlich versorgt mit Impfstoffen, sie erhalte Vakzine von Pfizer/Biontech und Moderna im Wochenrhythmus und könne gar nicht viel mehr verimpfen, heißt es. Deshalb sollen nun sämtliche bestellte Dosen des umstrittenen Impfstoffs des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca verschenkt werden. Der Bundesrat will kommende oder übernächste Woche darüber entscheiden.

Angst vor wachsender Impfskepsis?

In den nächsten Tagen oder Wochen hätte die Schweizer Zulassung für AstraZeneca kommen sollen. Doch dieser Impfstoff verursachte in seltenen Fällen bei jungen Frauen Thrombosen. Diese Woche starb in Italien eine 18-Jährige neun Tage nach der Impfung. Die junge Frau hätte den Impfstoff zwar wegen einer Immunkrankheit mit entsprechender Hormontherapie nicht erhalten dürfen. Trotzdem wollen sich viele jüngere Frauen in Italien nun nicht mehr impfen lassen.

AstraZeneca wird dort deshalb nur noch an über 60-Jährige verimpft. Viele Länder und auch die EU wollen nun keine weiteren Dosen von AstraZeneca mehr bestellen. Auch in Österreich ist die Verimpfung von AstraZeneca stark zurückgegangen, soll aber fortgeführt werden, und zuletzt ließ sich Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) damit impfen, da er von der Wirksamkeit überzeugt sei. In der Schweiz wird vermutet, dass sich das Bundesamt für Gesundheit vor wachsender Impfskepsis fürchtet und darum den umstrittenen Impfstoff gar nicht erst in der Schweiz einsetzen will. Die internationale Solidarität wäre demnach nur ein Motiv, warum die Schweiz Millionen Impfdosen verschenkt.

Experten empfehlen AstraZeneca-Impfstoff weiterhin

Als in verschiedenen Ländern Fälle von Hirnthrombosen nach Verabreichung des Covid-19-Impfstoffs von AstraZeneca nachgewiesen wurden, erklärte der Chef der Impfabteilung der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA: "Es ist klar, dass es einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gibt." Dennoch empfiehlt die Behörde den Impfstoff weiterhin: Die Vorteile seien nach wie vor größer als die Risiken.

Der AstraZeneca-Impfstoff schütze sehr zuverlässig vor schwerer Erkrankung. Der Nutzen der Impfung sei damit deutlich höher als die Gefahr einer Sinusvenenthrombose oder eines Blutplättchenmangels. Das gilt laut EMA besonders für ältere Personen, die bei einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 am stärksten gefährdet sind.

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