Tierischer Nachwuchs

Im Kriegsgebiet kommen kostbare Zwillinge zur Welt

Im Virunga-Nationalpark wurden seltene Gorilla-Zwillinge geboren. Die Hoffnung auf den Erhalt der bedrohten Art wächst erneut.
Heute Tierisch
09.01.2026, 14:25
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Im Virunga-Nationalpark im Kongo haben Tierschützer vergangene Woche einen ganz besonderen Fund gemacht: Sie entdeckten zufällig den Nachwuchs bei den seltenen Berggorillas – und zwar gleich Zwillinge. Die Geburt von Zwillingen ist bei diesen vom Aussterben bedrohten Tieren außergewöhnlich, wie die Parkverwaltung erklärt. Es sei jetzt geplant, den Schutz der beiden männlichen Äffchen noch gezielter zu verstärken.

„Beide schienen zum Zeitpunkt der Beobachtung in einem gesunden Zustand zu sein", heißt es in der Erklärung des Parks“
Laura ParkerPressesprecherin, Virunga-Nationalpark

Nur ein Prozent wahrscheinlich

Das Gorillaweibchen "Mafuko" hat übrigens schon einmal vor genau zehn Jahren Zwillinge zur Welt gebracht. Damals starben aber beide innerhalb einer Woche. Zwillingsgeburten kommen bei Berggorillas überhaupt nur bei rund einem Prozent des Nachwuchses vor. Die letzte Zwillingsgeburt im Virunga-Park war 2020, allerdings in einer anderen Familie. Normalerweise bekommen Gorillaweibchen nur alle vier Jahre Junge, nach einer Schwangerschaft von etwa acht Monaten.

Zwillinge besonders herausfordernd

Für eine Gorillamutter ist es eine riesige Herausforderung, gleich zwei Babys zu versorgen. Sie ist nämlich fast alleine für die Kleinen zuständig:

„Die Milchproduktion und der Energiebedarf für die gleichzeitige Versorgung zweier Jungtiere ist hoch und auch körperlich sehr anstrengend.“

Im Auge des Sturms!

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo, mitten im Kriegsgebiet, sind die ohnehin gefährdeten Berggorillas noch größeren Gefahren ausgesetzt. Seit Jahrzehnten tobt rund um den Virunga-Nationalpark, direkt an der Grenze zu Uganda und Ruanda, ein grausamer Krieg. Obwohl die Rebellen der M23 seit fünf Jahren das Gebiet rund um den Park kontrollieren und die internationalen Schutzrichtlinien halten, wurden 2007 sieben ausgewachsene Berggorillas im Virunga-Park von Milizen getötet, darunter drei Silberrücken.

Der Virunga-Nationalpark ist mit knapp 8.000 Quadratkilometern der älteste Nationalpark Afrikas und ein UNESCO-Welterbe. Er wurde 1925 unter belgischer Kolonialherrschaft von Zoologen gegründet und nach dem damaligen belgischen Prinzen Albert benannt.

Großfamilie will leben

Unter den getöteten Gorillaweibchen war auch "Mafukos" Mutter und es war lange unklar, ob die erst vierjährige "Mafuko" ohne ihre Mutter überleben könne. Da sie sich aber der größten Gorilla-Familie mit heute 59 Mitgliedern angeschlossen hatte, wurden ihre Überlebenschancen größer.

Vorsichtig optimistisch

Damals lebten nur noch ungefähr 700 Berggorillas, davon 150 im Virunga-Nationalpark. Die anderen Tiere waren in den angrenzenden Naturschutzgebieten in Ruanda und Uganda zu finden, obwohl damals bereits Krieg herrschte. Durch internationale Hilfe, primär von der Europäischen Union und aus Deutschland, konnte die kongolesische Naturschutzbehörde ICCN modernisiert und gestärkt werden.

Die Parkwächter wurden militärisch geschult, die Infrastruktur ausgebaut. Seit 2018 gibt es rund um den Park elektrische Zäune, die Ranger sind mit Nachtsichtgeräten, Drohnen und modernen Waffen ausgerüstet, um Milizen und Wilderer besser abwehren zu können. Mit Erfolg – mittlerweile zählt man zumindest "schon" 1.000 Berggorillas in den Nationalparks im Dreiländereck zwischen Kongo, Ruanda und Uganda.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 09.01.2026, 16:18, 09.01.2026, 14:25
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