Seltener Nachwuchs bei den Prachtpipras

Das Tierpfleger-Tagebuch aus Schönbrunn - nur hier bei "HeuteTierisch"!
Das Tierpfleger-Tagebuch aus Schönbrunn - nur hier bei "HeuteTierisch"!Tiergarten Schönbrunn
Als einzigem Zoo Europas ist es Schönbrunn gelungen, Prachtpipras-Nachwuchs zu züchten. Tierpfleger Michael erzählt euch mehr über die Vögel.

(Tagebucheintrag von Tierpfleger Michael aus dem Tiergarten Schönbrunn)

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Erst Ei...

ch stehe vor einem Nest des Prachtpipras. Eine Mutter sitzt gerade auf einem Jungtier – auf dem Jungtier deswegen, weil das Jungtier noch "gehudert" wird. Das Ei wurde zwei Wochen bebrütet, und der Jungvogel bleibt nach dem Schlupf weitere zwei Wochen im Nest und wird dann erst flügge. Normalerweise bekommen Prachtpipras ein bis zwei Junge bzw. legen ein bis zwei Eier. In dem Fall haben wir einen Nestling.

...dann Nestling...

Was in dieser Phase der Nestlingszeit natürlich am Wichtigsten ist, ist, dass die Vögel genügend Insekten bekommen. Wir haben größtenteils Mehlwürmer, die wir geben. Unser Weibchen ist ziemlich zutraulich und nimmt das Futter sogar aus der Hand. Wobei wir mehrmals am Tag die Mehlwürmer nachfüllen bzw. auch andere Insekten anbieten. Eiweiße sind natürlich besonders wichtig in der Zeit, in der die Jungvögel sich entwickeln und wachsen müssen. Da wir zurzeit mehrere brütende Vogelarten in der Tropenhalle haben, müssen wir mehrmals täglich schauen, ob genügend Insekten den Tieren zur Verfügung stehen.

...nun flügge!

Aber auch nach dem Ausfliegen kümmert sich die Mutter weiter um das Jungtier. Man kann dann die Jungvögel gut im Geäst beobachten, was wir auch tun. Denn es besteht eine gewisse Gefahr, dass die Jungvögel, die noch etwas ungeschickt sind, sich verletzen können, dass sie zum Beispiel in den Teich fallen. Deshalb beobachten wir das Wohlergehen der Jungtiere nach dem Flüggewerden und helfen, falls sie aus Versehen am Boden landen. Und das ist ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgsrezepts für die Zucht der Prachtpipras im Tiergarten Schönbrunn.

Die einzige Nachzucht Europas

Die Prachtpipras werden in Zoos sehr selten gehalten, und europaweit gelingt nur im Tiergarten Schönbrunn ihre Nachzucht. In einem anderen europäischen Zoo werden Prachtpipras zwar auch gehalten, aber nur bei uns brütet die Art. Was man braucht für eine erfolgreiche Brut und was auch ganz speziell wirkt, ist, dass mehrere Männchen vorhanden sein müssen.

Eine Gruppe mit mehreren Männchen und Weibchen ist ideal, und das haben wir auch. Denn die Männchen balzen gemeinsam, das heißt, sie haben eine ganz auffällige Gruppenbalz – wobei man später nicht weiß, wer der Vater des Jungvogels ist. Denn der Vater kümmert sich nicht um die Aufzucht – das machen nur die Mütter bei den Prachtpipras. Man vermutet, dass fittere, dominante Männchen dann zur Paarung kommen. Aber sie brauchen das gemeinsame Nest.

Balzen mit anderen Männchen

Was man noch braucht für eine erfolgreiche Nachzucht, ist die richtige Umgebung. Prachtpipras kommen in Wäldern im nördlichen Südamerika vor. Und wir versuchen einerseits eine Menge Pflanzen, Bäume, Unterholz, die richtige Temperatur und die richtige Feuchtigkeit zu bieten und andererseits auch Nisthilfen. Das Prachtpipra-Weibchen vor mir hat in einem Kunstnest gebrütet. Wir bieten aber auch Nistmaterial an, wie zum Beispiel Kokosfasern, Tierhaare oder auch Hamsterwatte.

Viel Nachwuchs in der Tropenhalle

Man kann sehen, dass die Prachtpipras nicht wirklich scheu sind, das heißt unser Weibchen ist auch ein sehr ruhiges Tier, das uns Menschen auch ganz gut kennt. Und lustigerweise haben die Prachtpipras in den letzten Jahren die Angewohnheit gezeigt, dass sie ihre Nester sehr nahe am Besucherweg bauen, das heißt, in Büschen und kleinen Bäumen am Besuchergang – wir wissen nicht, warum.

Und das hat den Nachteil, dass wir vorübergehend die Tropenhalle für die Besucher gesperrt hatten. Wir bitten um Verständnis, aber Besucher, die die Brut übersehen, hätten diese eventuell stören können. Alles in einem waren die Nachzuchten bei den Prachtpipras in den letzten Jahren sehr erfolgreich. So konnte unsere Prachtpipra-Gruppe wachsen: Mit dem Jungvogel sind es jetzt insgesamt 18 Tiere.

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