Seltener Zwillingsnachwuchs bei "Wiener Kühen"

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Die Pustertaler Sprinzen waren mal als "Wiener Kuh" bekannt. Heute ist die Rasse vom Aussterben bedroht. Schönbrunn freut sich über Nachwuchs. 

(Tagebucheintrag von Matthias Heigl, Tierpfleger im Tiergarten Schönbrunn)

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Zwillingskälber Emil und Maja sehr unterschiedlich

Bei unseren Pustertaler Sprinzen gibt es ganz besonderen Nachwuchs. Am 27. Juli sind Zwillinge zur Welt gekommen. Das ist sehr selten. Wir haben die Kälber Maja und Emil genannt. Die beiden sind vom Charakter her sehr unterschiedlich. Emil lässt sich gerne streicheln und kraulen und ist etwas zahmer. Maja ist eher zurückhaltend, aber sehr aufgeweckt und lieb.

Zur Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie galten die Pustertaler Sprinzen wegen ihrer guten Milch- und Fleischleistung als die beste Rinderrasse. In den Nutzbetrieben von Wien und Umgebung waren sie deshalb so beliebt, dass sie als „Wiener Kuh" bezeichnet wurden.

Enges Vertrauensverhältnis zwischen Pfleger und Tier

Die meisten Tierpfleger bei uns im Tiergarten kümmern sich um exotische Tiere. Der große Unterschied zwischen Wildtieren und Nutztieren ist, dass man zu den Nutztieren einen besseren Kontakt und eine engere Bindung aufbauen kann. Die Bindung festigen wir durch Striegeln. Wir striegeln sie meistens dreimal die Woche. Das Striegeln der Rinder festigt den Kontakt zu den Pflegern sehr gut. Man kann zum Beispiel bei der Maja, die eigentlich recht scheu ist, sehen, wie sie es genießt. Die wird dann richtig zahm. Das festigt den Kontakt. Maja lässt sich gerne am Hals kraulen. Das ist ein sehr schönes Zeichen des Vertrauens.

Pustertaler Sprinzen werden fast nie krank

Wie die anderen Rassen sind sie sehr erhaltenswert. Sie werden fast nie krank und haben auch eine leichte „Kalbigkeit", das heißt sie bringen die Kälber ganz allein zur Welt – ganz ohne tierärztliche Hilfe. Die Geburt der Zwillinge war ebenfalls problemlos. Maja und Emil sind in der Nacht zur Welt gekommen. Bei modernen Rassen hat man mitunter das Problem, dass Kälber stecken bleiben. Das ist beispielsweise bei den alten Nutztierrassen nicht der Fall.

Hof stammt aus dem 18. Jahrhundert

Hier am Tirolerhof zu arbeiten, hat für mich ein sehr idyllisches Flair. Der Hof stammt aus dem 18. Jahrhundert aus Tirol und nennt sich Haidachhof. Ich finde die Atmosphäre hier oben am Hof einfach atemberaubend schön. Man ist mitten in der Stadt, man hat aber auch die Landluft und Bäume rundherum. Man ist mitten im Wald. Dazu kommt das Flair des Hofs selbst: die alten Einrichtungsgegenstände, die Tiere, alte Rassen. Wir halten hier aktuell drei Rinderrassen: das Original-Braunvieh, die Pustertaler Sprinzen und das Tux-Zillertaler-Rind.

Ein besonderes Leckerli für unsere Rinder ist frisches Laub. Wenn sie uns von weitem mit Laub sehen, laufen sie alle zum Gatter. Sie stürmen hin und freuen sich mit richtigem Enthusiasmus auf diese Mahlzeit. Das Laub ist auch ein sehr gutes Enrichment für die Kühe. Sie fetzen mit ihren Hörnern hinein und wirbeln die Blätter durch die Luft. Und wenn die Großen dann fertig sind oder schon etwas gefressen haben, kommen auch die Kleinen zum Laub, knabbern daran und spielen damit. Das ist wirklich eine super Beschäftigung für die Tiere.

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