Shitstorm für neues Menstruationsprodukt "Pinky Gloves"

Wenn es nach den Erfindern des "Pinky Glove" geht, gehöre hier noch ein Gummihandschuh dazu
Wenn es nach den Erfindern des "Pinky Glove" geht, gehöre hier noch ein Gummihandschuh dazuGetty Images/iStockphoto
Zwei Unternehmer kassierten in der "Höhle der Löwen" ein 30.000 Euro-Investment für ein neues Menstruationsprodukt. Warum dies Twitter sauer aufstößt.

Was wünscht sich eine Person, wenn sie ihre Monatsblutung bekommt? Die Vorlieben sind von Frau zu Frau verschieden, besonders beliebt sind aber meistens Schmerztabletten und Wärmeflaschen gegen Krämpfe sowie Schokolade, Süßes oder Fast Food. Zahlreiche Frauen fordern vor allem schon seit langem gratis Hygieneprodukte wie Tampons und Binden. 

Dieser Wunsch bleibt vorerst unerfüllt. Stattdessen soll jetzt ein weiterer Marketing-Gag auf den Markt kommen. "Pinky Gloves" – ein rosa Gummihandschuh – ist das Geistesprodukt zweier Männer, die ihren Einfall in der Sendung "Höhle der Löwen" auf Vox präsentierten. Die beiden Ex-Bundeswehrler stellten sich als "Frauenversteher" vor, die "Frauen das Leben einfacher machen wollen".

30.000 € Startkapital, damit kein Mann je wieder einen Tropfen Blut sichten muss

Entstanden sei die Idee von "Pinky Gloves", weil die beiden durch das Zusammenleben mit Frauen ab und an gezwungen waren, einen Blick auf ein benutztes Menstruationsprodukt im Müll zu erhaschen. Auch in Klopapier oder einen Plastikbeutel eingewickelt waren diese scheinbar so schauderhaft, dass es die beiden Jungunternehmer in die Erfinderwerkstatt trieb. 

Unternehmer Ralf Dümmel war begeistert und sprach den beiden "Frauenverstehern" ein Investment von 30.000 Euro zu. Schade nur, dass im Entwicklungsprozess des Produkt scheinbar an keinem Punkt eine Frau konsultiert wurde. Dieses Versäumnis konnten die beiden Jungunternehmer glücklicherweise aufholen, zahlreiche Frauen schalteten sich nämlich am Dienstag auf Twitter zur Diskussion über das Produkt zu. 

"Lächerlich, stigmatisierend, umweltbelastend"

Lächerlich, stigmatisierend, unnütz, umweltverschmutzend, hirnrissig – dies waren nur einige der Begriffe, mit denen die "Pinky Gloves" bezeichnet wurden. Twitter-User ärgerten sich besonders darüber, dass der Handschuh vermittle, die Periode sei etwas, wofür eine Person sich zu schämen hätte. Darüber hinaus sei es lächerlich, ein teures, umweltbelastendes Plastik-Teil zu benutzen um den eigenen Körper zu berühren, das danach im Müll landet. 

Auch das Hygiene-Argument ergibt wenig Sinn. Bislang kamen Frauen mit Wasser und Seife gut aus, noch gibt es keine Berichte von Personen, die nach dem Wechseln eines Tampons an einer Sepsis gestorben sind. "Hygiene" steht in diesem Fall eher für "Ekel": die beiden Erfinder des Handschuhs gehen wohl davon aus, Frauen hätten Angst davor, ihren eigenen Intimbereich zu berühren. 

Erfinder beklagen "Hate-Speech" in Entschuldigungs-Post

Nachdem die beiden Jungunternehmer einen gehörigen Shitstorm für ihre Idee ernteten, wurde ein Statement auf Instagram veröffentlich. In einem diplomatisch formulierten Post wurde geschrieben, man habe die Kritik vernommen, wünsche sich aber mehr Sachlichkeit von Seiten der Kritiker. Schnell fiel der Begriff "Hatespeech", also Hassrede. Die beiden Unternehmer sehen sich bei der Diskussion über ihren Gummihandschuh scheinbar in der Opferrolle.

Die Reaktionen in den Kommentaren unter dem Entschuldigungs-Post waren zwei frei von Hassrede, aber wie zu erwarten ausgesprochen kritisch. Somit dürfte "Pinky Gloves" einen schweren Start ins Leben haben – vorausgesetzt, das Produkt wird jemals auf den Markt gebracht. 

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