Ratlos rauchende Köpfe sitzen derzeit in der Bankenzentrale der EU: Nach mehrmaligem Erhöhen des Leitzinses, bekommt die Europäische Zentralbank (EZB) die hohe Inflation immer noch nicht recht in den Griff. Die Maßnahmen greifen offenbar (noch) nicht. Es dauere länger als erwartet, hört man nun aus dem Rat der EZB. Der Leitzins liegt derzeit bei 3,75 Prozent, im Juni soll die nächste Erhöhung anstehen.
Während Häuslbauer, die Kredite mit variablem Zinssatz abzuzahlen haben, massiv ins Schwitzen kommen, freuen sich Sparer darüber, dass ihre klassischen Einlagensparbücher nach vielen Jahren der Nullzins-Politik, doch endlich wieder etwas Geld abwerfen könnten.
Die Hotellerie beobachtet die Entscheidungen und Entwicklungen im Kreditwesen derzeit mit Argusaugen, wie Karin Rosenberger, Hotelbetreiberin aus Ybbs und Obfrau der Hotellerie in der Wirtschaftskammer NÖ, schildert. "Die Kredite, die noch vor drei oder vier Jahren aufgrund der langfristigen Prognosen, der Markt sei stabil, mit variablen Zinssätzen abgeschlossen wurden, haben sich massiv verteuert. Somit besteht die Gefahr, dass durch Corona bereits entstandene Investitionsrückstände noch weiter nach hinten geschoben werden. Das schwächt die Konkurrenzfähigkeit unserer Betriebe massiv", fasst sie das Problem zusammen.
Eine Investitionsflaute würde zudem einen Rattenschwanz an Problemen mit sich ziehen, der dann auch zahlreiche Branchen betreffe. "Bestehende Finanzierungen müssen verlängert, gestundet, neu angelegt werden, was wieder mit einem zusätzlichen finanziellen Aufwand verbunden ist", so Rosenberger.
Die hohen Energiekosten, die stark gestiegenen Lebensmittelpreise, aber auch der chronische Arbeitskräftemangel setze der Hotellerie massiv zu, die hohen Kreditzinsen könnten nun viele in den Ruin treiben. Laut der Vertreterin müssten sich unterschiedlichste Rahmenbedingungen ändern, damit sich Branche wieder erholt.
"Die Krisen der letzten Jahre haben die gastronomische Landschaft verändert, und jetzt gilt es, wieder nach vorne zu schauen und positiv zu bleiben. Das wird uns aber nur gelingen, wenn wir Licht am Ende des Tunnels sehen – und es das gemeinsame Interesse ist, uns als international anerkanntes Gastgeberland zu erhalten. Das muss der Auftrag sein", so Rosenberger.