Am 10. Mai hieß es in dem warnenden Facebook-Eintrag: "Liebe Eltern, wir schreiben diesen Beitrag anonym, weil mehrere Kinder (7-10 Jahre alt) unabhängig voneinander von einem hochproblematischen "Hundespiel" im Hortbereich berichtet haben. Wir nennen keine Namen, keine Einrichtung, keine Personen – aber wir nennen die Aussagen der Kinder, so wie sie uns geschildert wurden."
Was die Kinder erzählten, überschreite "jede pädagogische Grenze". Demnach hätten sich in dem Hort folgende Szenen zugetragen: Schnüre seien wie Leinen verwendet worden, die Leinen seien um Bauch oder Hüfte gebunden worden. Kommandos wie "Sitz", "Platz" und "Los, gemma" seien gegeben worden.
Kinder sollten auch "pieseln und gacken, weil es zum Hundespiel dazugehört". Ein weiterer schwerwiegender Vorwurf: Kinder seien an dieser Leine am Boden gezogen worden, "auch wenn sie müde waren oder es ihnen zu schnell wurde und sie nicht mehr wollten".
Die Kinder seien im Zuge des "Hundespiels" für bestimmte Positionen gelobt, gestreichelt oder "Braves Hündchen" genannt worden. Dazu seien imaginäre Leckerlis als Belohnung verteilt worden.
Man stelle sich vor, ein Kind wachse drei Jahre lang damit auf, dass Unterwürfigkeit, Leine, Kommandos und körperliche Nähe zu einem Erwachsenen "normal" sind. Die Folgen wären massiv, so die Warnung: verzerrte Grenzen, gestörtes Körpergefühl, fehlende Distanz oder langfristig psychische Belastungen werden in dem Posting genannt. Laut "Kurier" soll ein Vater den Fall ins Laufen gebracht haben.
Seitens eines Sprechers des Magistrats St. Pölten heißt es auf "Heute"-Anfrage zu dem Fall: "Wir wurden als Schulerhalter und Dienstgeber am Freitag, 8. Mai, um 11:30 Uhr von einem Mitarbeiter informiert, dass eine Bezugsperson eines Mädchens bei der zuständigen Direktorin vorgesprochen hat und erstmals Behauptungen zu sog. "Hundespielen" getätigt hat."
Dieses Gespräch dürfte bereits eine Woche zuvor – am 5. Mai - stattgefunden haben. "Erst dann konnten durch uns proaktiv Erhebungen zu diesen umfangreichen Vorwürfen eingeleitet werden und Stellungnahmen eingeholt werden, welche auch an die Bildungsdirektion weitergeleitet wurden. Bei der städtischen Kinder- und Jugendhilfe wurde ebenfalls eine entsprechende Meldung eingebracht."
Es seien ergänzend dazu auch Gespräche geführt worden: "Zum Zeitpunkt des Einlangens des geschilderten Sachverhalts sind uns keine weiteren Anschuldigungen oder Vorfälle bekannt. Die Erhebungen laufen, in Abstimmung mit der Bildungsdirektion werden wir dem aber natürlich weiter nachgehen und haben die entsprechend notwendigen Schritte in Abstimmung mit den zuständigen Behörden sowie in unserer Funktion als Dienstgeber eingeleitet."
Grundsätzlich sei festzuhalten, "dass die Dienste in der Regel zu zweit ausgeführt werden. Für die pädagogische Ausgestaltung der schulischen Tagesbetreuung ist die Schulleitung bzw. die Bildungsdirektion verantwortlich".
Der Mitarbeiter ist laut "Heute"-Infos aktuell nicht in der Betreuung tätig.
Seitens der Bildungsdirektion NÖ heißt es seitens eines Sprechers gegenüber dem "Kurier", dass der betroffene Freizeitpädagoge bei der Stadt St. Pölten beschäftigt sei: "Klar ist aber, dass er bei uns an den Schulen nicht mehr zum Einsatz kommen wird."
Auch die Staatsanwaltschaft St. Pölten ist der Fall bekannt, es gab eine Anzeige: "Von einem Ermittlungsverfahren wurde aber abgesehen", so Sprecher Thomas Korntheuer gegenüber dem "Kurier". Gegenüber "Heute" bestätigte Korntheuer, dass kein Ermittlungsverfahren eingeleitet werde, da es keinen strafrechtlichen Aspekt gebe. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Neben der strafrechtlichen Ebene gibt es freilich auch noch die pädagogische Komponente. Dabei stellt sich die Frage, welchen pädagogischen Wert die "Hundespiele", falls sie in der Form stattfanden, haben und ob solche Methoden zeitgemäß sind – oder überhaupt jemals waren.