Matt Lowton läuft zu seinem Teamkollegen Gnaly Cornet, um dessen Traum-Freistoß zum zwischenzeitlichen 1:1 zu bejubeln. Die Burnley-Spieler stehen unmittelbar vor einem Leeds-Fansektor, als Lowton von einer Pet-Flasche mit Inhalt im Gesicht getroffen wird.
Der 32-Jährige verzichtet auf Theatralik, lässt sich nur kurz die offene Wunde auf seiner Stirn verarzten, spielt weiter. Das Match geht weiter. Leeds United erobert seine Führung zurück und siegt am Sonntag mit 3:1.
Bereits am Samstag feierte Manchester Citys Rodri seinen Matchwinner zum 2:1 in der Nachspielzeit vor den Arsenal-Fans. Er jubelte provokant mit nacktem Oberkörper. Die enttäuschten Fans der Gunners waren im Emirates Stadium nur wenige Meter vom Torschützen entfernt.
Es regnete Pet-Flaschen. Sogar eine Klopapierrolle wurde geworfen. Keiner der Spieler wurde verletzt.
Die Vorfälle sind aber alarmierend. In Frankreich wurden diese Saison schon mehrere Spiele wegen Fan-Gewalt abgebrochen. Unter anderem das Topspiel Marseille gegen Lyon, nachdem OM-Star Dimitri Payet aus dem Lyon-Sektor mit einer Flasche am Kopf getroffen worden war.
Während die Ligue 1 versucht, durchzugreifen, der Lage aber nicht Herr wird, waren die Flaschen-Attacken in England nicht mehr als eine Randnotiz. So wird es die Premier League schwer haben, das Gewaltproblem in ihren Stadien in den Griff zu bekommen. Erst kürzlich sorgte ein Bericht über das weit verbreitete Kokain-Problem in den Arenen auf der Insel für Aufsehen.
Flaschen mit Stöpsel und Inhalt können zu gefährlichen Wurfobjekten werden und schwerste Verletzungen verursachen. In den letzten Jahren reichten oft schon Feuerzeuge oder Münzen, um bei Spielern und Schiedsrichtern Verletzungen anzurichten. Trauriges Beispiel aus Österreich: Der Becherwerfer von Graz, der bei einem Europacup-Spiel von Sturm einem Linienrichter eine Platzwunde verpasst hatte.