Kaum verurteilt, schon wieder im royalen Rampenlicht: Der Auftritt von Marius Borg Høiby (29) beim Abschied von König Harald V. (†89) bringt ausgerechnet den neuen König Haakon (53) in eine heikle Lage.
Der Sohn von Königin Mette-Marit (53) durfte am Montag an der Trauerprozession im Osloer Schloss teilnehmen und den Sarg des verstorbenen Königs mittragen. Möglich war das nur mit einer Sondergenehmigung der Polizei, denn Marius verbüßt derzeit eine Untersuchungshaft mit Fußfessel auf Schloss Skaugum.
Auch für das Staatsbegräbnis am 9. September hat er die Erlaubnis zur Teilnahme erhalten.
Brisant ist das, weil Marius erst vor wenigen Wochen wegen Vergewaltigung zu vier Jahren Haft verurteilt wurde. Weil er in Berufung ging, ist das Urteil nicht rechtskräftig, es gilt die Unschuldsvermutung.
Genau hier beginnt für Haakon der Balanceakt. In seiner ersten Rede als Monarch hatte er sich betont als Familienmensch präsentiert, für den der Zusammenhalt an erster Stelle steht. Würde er seinen Stiefsohn nun ausgerechnet bei einem so einschneidenden Anlass wie der Trauer um den Familienpatriarchen ausschließen, geriete dieses Bild ins Wanken.
Auf der anderen Seite steht die Kritik: Ein verurteilter Straftäter, der Schritt für Schritt wieder ins royale Rampenlicht rückt, sorgt in Norwegen für Diskussionen.
Und tatsächlich kam man Marius zuletzt mehrfach entgegen. Statt im Gefängnis darf er seine Haft auf dem königlichen Anwesen absitzen, und das Strafmaß fiel mit vier Jahren deutlich niedriger aus als die von der Staatsanwaltschaft geforderten sieben. Nun kommen zwei offizielle royale Auftritte hinzu.
Beobachter sehen die beiden Ausnahmen rund um den Todesfall noch als vertretbar an. Sollte sich das Muster aber über die Trauertage hinaus wiederholen, dürfte der neue König rasch in Erklärungsnot geraten. Die nächste Bewährungsprobe steht mit dem Begräbnis am 9. September ohnehin schon fest.