Wenn am Samstag im finnischen Levi die Slalom-Läuferinnen in die neue Weltcup-Saison starten, führt der Sieg nur über Skistar Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin gewann im hohen Norden bereits acht Mal und ist auch nun die Gejagte. Österreichs Hoffnung Katharina Liensberger, die Kroatin Zrinka Ljutic oder eben Holdener wollen Shiffrin Paroli bieten.
Dabei baut die Schweizerin auf einen simplen Trick, der häufig bei Kinderskikursen angewandt wird. Die 32-Jährige trainierte mit Skiern, die miteinander verbunden waren. Vor und hinter der Bindung waren Karbonplatten angebracht, dazwischen eine Verbindung zwischen den beiden Skiern. So sollte die Schweizerin ihre Ski stets parallel halten. Holdener hatte selbst Fotos von der Vorrichtung auf Instagram gepostet. Bei Kindern sollen ähnliche Vorrichtungen, die aber wesentlich einfacher ausgestaltet sind, verhindern, dass diese die Skier überkreuzen.
"Auf flachen Pisten und aggressivem Schnee konnte ich ein paar geile Schwünge ziehen – fast vergaß ich, dass ich angekettet bin", erklärte die Team-Olympiasiegerin von 2018 und dreifache WM-Goldmedaillengewinnerin dem "Blick". Das Ziel hinter der Technik ist klar: Holdener solle die Ski stets auf Zug lassen. "Ich kann keine V-Stellung machen, die bremst. Und ich muss mit der Hüfte sauber über dem Ski stehen – sonst fällt man fast", erklärte die Siegerin von fünf Weltcuprennen, die aber seit Dezember 2022 nicht mehr ganz oben stand.
Der Hang in Levi ist besonders geeignet für Holdeners Trainings-Trick. Das Gelände ist auf der flachen Seite, es gibt mehrere Wellen. Die Läuferinnen müssen auf Zug bleiben. "Wir wollen die kleinen Drifter, die Wendy vor den Toren manchmal hat, ausschalten", erklärte Coach Jörg Roten. Der nun auf einen ganz speziellen Effekt setzt: "Das coole Ski-Gefühl entsteht selten. Entfernt man sie, fährt man befreit."
Genau diese neue Lockerheit soll die 32-Jährige nun ganz nach oben bringen. "Ich sehne mich nach dem nächsten Sieg", so Holdener.