Doppelter Schock bei einer Familie in Graz-Mariatrost. Bereits im Sommer 2025 entdeckte Maria R. einen kleinen schwarzen Skorpion an der Wand ihrer Garage, das berichtet die Kronen Zeitung. Vergangene Woche tauchte plötzlich erneut ein Skorpion auf.
"Panisch" habe sie beim ersten Fund reagiert, erzählt die Grazerin der Krone. "Ich wusste ja nicht, ob das Tier giftig ist oder nicht."
Damals gab es zunächst eine naheliegende Erklärung. Die Familie war kurz zuvor aus einem Italien-Urlaub zurückgekehrt. "Der Verdacht, dass wir den Exoten als blinden Passagier mit nach Hause gebracht haben, lag nahe."
Doch nun kam es zum Déjà-vu. "Plötzlich war da wieder ein solches Tier – diesmal hat es meine Tochter in einem Türrahmen entdeckt."
Wie schon beim ersten Mal fing die Familie den Skorpion vorsichtig mit einem Becher ein und wandte sich an das Joanneum. Dort wurde der Biologe und Skorpion-Spezialist Christian Komposch vom Grazer "Ökoteam" hinzugezogen.
Schnell stand fest: Bei dem Tier handelt es sich um einen sogenannten Italienskorpion. Doch warum innerhalb eines Jahres gleich zwei Exemplare beim selben Haus auftauchten, ist auch für den Experten ein Rätsel.
"Es kann sein, dass die Familie damals zwei Exemplare importiert hat oder jetzt neuerlich ein Tier mitgebracht wurde. Beides halte ich aber für äußerst unwahrscheinlich", sagt Komposch der Krone.
Der Biologe hält deshalb noch eine andere Erklärung für möglich: Der Italienskorpion könnte sich bereits in Graz angesiedelt haben: "In Slowenien sind die Tiere heimisch. Der Klimawandel könnte ihnen in die Karten spielen."
Dass exotische Skorpione unbemerkt von Reisen mitgebracht werden, kommt laut Komposch jedenfalls vor. Erst kürzlich wurde in Graz ein Skorpion in einem Kleiderschrank gefunden.
"Es stellte sich heraus, dass das Tier – übrigens ein extrem giftiges Exemplar – aus Mexiko ,importiert' worden war."
Die beiden in Mariatrost gefundenen Skorpione bleiben vorerst bei Komposch und werden in einem Terrarium gehalten. Einfach nach Slowenien bringen und dort freilassen kommt für den Experten nicht infrage.
"Das wäre aus Naturschutzsicht das Schlechteste, was man machen könnte", sagt der Experte. "Jedes Vorkommen hat seine eigene genetische Information." Durch eine Freisetzung könnten unterschiedliche Populationen miteinander vermischt werden.