Es gibt Spiele, bei denen schon der Start etwas Besonderes auslöst. "Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots" gehört für mich genau in diese Kategorie. Nicht unbedingt, weil das Spiel heute noch genauso modern wirkt wie bei seiner Veröffentlichung 2008. Das tut es nicht. Sondern weil man beim ersten richtigen Rundgang durch die Sammlung schnell merkt, wie viel dieses Spiel damals auf einmal sein wollte. "Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2" bringt "MGS4" erstmals seit seiner ursprünglichen Veröffentlichung auf der PlayStation 3 auf aktuelle Plattformen. Dazu kommen "Metal Gear Solid: Peace Walker" in der HD-Version und "Metal Gear: Ghost Babel" für den Game Boy Color. Die Sammlung erscheint für PlayStation 5, Xbox Series X|S, Nintendo Switch, Nintendo Switch 2 und PC. Release ist der 27. August 2026.
Der große Star ist eindeutig "MGS4". Das merkt man schon nach wenigen Minuten. "Peace Walker" ist wichtig für die Geschichte von Big Boss und "Ghost Babel" ist eine interessante Ergänzung für Fans. Wer aber die Sammlung startet, weil er endlich wissen will, wie sich "Guns of the Patriots" auf einer modernen Konsole spielt, wird nicht lange überlegen müssen, womit er beginnt. Ich habe deshalb genau dort angesetzt. Und mein erster Eindruck war nicht: "Das sieht aus wie ein neues Spiel." Im Gegenteil. Es sieht immer noch nach "MGS4" aus. Die technische Basis wurde für moderne Hardware angepasst, die Auflösung wurde verbessert und die maximale Bildrate angehoben. Auf der PlayStation 5 sind bis zu 4K und 60 fps möglich.
Das Ergebnis ist vor allem dann angenehm, wenn du das Original noch kennst. Bewegungen wirken sauberer, Kamerafahrten laufen flüssiger und die alten Schauplätze profitieren sichtbar von der höheren Auflösung. Gleichzeitig verschwinden die Schwächen des ursprünglichen Designs natürlich nicht einfach. Wenn du "MGS4" heute spielst, fällt dir eine Sache besonders schnell auf: die Kamera. Das Spiel verwendet eine Perspektive hinter Snake, die sich damals moderner angefühlt hat als die festen Kamerawinkel früherer Teile. Du kannst dich mit Snake durch die Umgebung bewegen, die Sicht drehen, Gegner beobachten und deine Position direkt kontrollieren. Beim Zielen verändert sich die Perspektive und gibt dir deutlich mehr Kontrolle.
Das funktioniert grundsätzlich gut. Nach kurzer Eingewöhnung hatte ich die Kamera im Griff und konnte mich auch in hektischeren Situationen ordentlich orientieren. Gerade beim Schleichen ist das wichtig. Du willst nicht gegen die Kamera kämpfen, während ein Gegner wenige Meter entfernt steht. Und genau hier zeigt sich gleichzeitig das Alter des Spiels. Die Kamera ist nicht schlecht. Sie ist nur nicht so selbstverständlich wie in modernen Actionspielen. Wenn du aktuelle Titel gewohnt bist, musst du dich wieder daran gewöhnen, wie "MGS4" seine Bewegungen und Perspektiven aufbaut. Das betrifft auch das Zielen. Die Perspektive fühlt sich weniger unmittelbar an als bei heutigen Third-Person-Shootern.
"MGS4" war nie als klassischer Shooter gedacht. Das merkt man sofort. Das Spiel will, dass du beobachtest, planst und dich vorsichtig bewegst. Wer mit der Erwartung an die Sache geht, einfach durch die Levels zu laufen und alles abzuschießen, wird mit der Steuerung schneller an Grenzen stoßen. Konami hat die Steuerung trotzdem angepasst. Bei "MGS4" lassen sich die Tastenbelegungen individuell verändern. Das hilft, weil sich die ursprüngliche Bedienung nicht mehr für jeden intuitiv anfühlt. Technisch ist die Überarbeitung vor allem eine Sache der Auflösung und der Bildrate. Die Texturen wurden nicht grundsätzlich neu erstellt. Gleichzeitig ist "MGS4" für ein 18 Jahre altes Spiel erstaunlich robust gealtert.
Die Charaktermodelle funktionieren noch immer. Gesichter, Bewegungen und Animationen tragen viele Szenen. Besonders auffällig ist, wie eng Spiel und Zwischensequenzen miteinander verbunden sind. Das Spiel wechselt ständig zwischen Kontrolle und Inszenierung. Oft ist die Kamera dabei so gesetzt, dass der Übergang kaum wie ein harter Schnitt wirkt. Das war schon damals ein Teil des technischen Eindrucks von "MGS4" und funktioniert auch heute noch. In den Wüsten- und Kriegsgebieten fällt allerdings auf, dass nicht jede Oberfläche gleich gut aussieht. Manche Texturen wirken flach und einzelne Objekte verraten ihr Alter deutlich. Eine höhere Auflösung macht solche Stellen nicht unsichtbar. Sie kann sie sogar sichtbarer machen.
Das ist für mich aber kein Grund, die technische Umsetzung schlechtzureden. Eine Neuauflage ist etwas anderes als ein Remake. "MGS4" bleibt "MGS4". Die Sammlung versucht nicht, daraus ein modernes Spiel mit komplett neuen Modellen und einer neuen Grafik zu machen. Und das hat einen Vorteil: Der Charakter des Spiels bleibt erhalten. Gerade bei einem Titel wie "MGS4" wäre ein größerer Umbau riskant gewesen. Die ungewöhnlichen Übergänge, die teils übertriebene Inszenierung und die eigenwilligen Menüs gehören zum Spiel. Sie wirken heute teilweise altmodisch, sind aber gleichzeitig genau das, was "MGS4" von einem beliebigen modernen Actionspiel unterscheidet.
Die 60 Bilder pro Sekunde sind bei "MGS4" die vielleicht beeindruckendste Verbesserung. Beim normalen Herumlaufen ist der Unterschied zunächst nicht spektakulär. Sobald sich die Kamera schneller bewegt, Gegner auftauchen oder mehrere Figuren gleichzeitig über den Bildschirm laufen, wird die höhere Bildrate aber ausgezeichnet. Bewegungen wirken kontrollierter, und beim Drehen der Perspektive fühlt sich das Bild weniger schwerfällig an. Das ist bei einem Spiel, das häufig zwischen Schleichen, Zielen und hektischen Situationen wechselt, ein echter Vorteil. Auf der PlayStation 5 sind für "MGS4" bis zu 4K und 60 Bilder pro Sekunde möglich, ebenso auf Xbox Series X, während Series S bis zu 1440p bei 60 Bildern pro Sekunde erreicht.
Wer "MGS4" noch von der PlayStation 3 kennt, bekommt eine kleine technische Offenbarung. Wer das Spiel dagegen erstmals startet, sollte jedoch nicht erwarten, dass es plötzlich wie ein Spiel aus dem Jahr 2026 aussieht. Bei "MGS4" muss man natürlich auch über die Geschichte sprechen. Das Spiel setzt sehr viel Vorwissen aus dem "Metal Gear"-Universum voraus und behandelt seine Geschichte nicht gerade sparsam. Solid Snake ist gealtert, die Welt wird von privaten Militärunternehmen geprägt und zahlreiche Figuren und Handlungsstränge aus früheren Teilen laufen zusammen. Das ist für Fans der Reihe interessant. Für Neueinsteiger kann es dagegen anstrengend bis unverständlich werden.
Schon nach den ersten längeren Abschnitten merkt man, dass "MGS4" seine Geschichte unbedingt erzählen will. Die Zwischensequenzen sind teilweise sehr lang. Das ist keine kleine Randerscheinung, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Spiels. Wenn du hauptsächlich spielen willst, kann dich das ausbremsen. Wenn du wissen willst, wie die Geschichte von Snake weitergeht und wie viele offene Fragen der Reihe zusammengeführt werden, wirst du dagegen ausgezeichnet bedient. Ich hatte dabei nie das Gefühl, dass die langen Sequenzen technisch schlecht gemacht sind. Das Problem ist eher das Tempo. Du spielst eine Weile, dann wird die Handlung wieder sehr ausführlich. Danach bekommst du erneut längere Spielabschnitte.
Spielerisch ist "MGS4" weniger veraltet, als ich zunächst erwartet hätte. Snake kann sich geduckt bewegen, kriechen, Gegner beobachten und sich durch Umgebungen arbeiten, ohne sofort einen Kampf auszulösen. Dazu kommt der Anzug, der sich automatisch an die Umgebung anpassen kann. Ich habe dabei schnell wieder gemerkt, dass vorsichtiges Vorgehen meistens die bessere Lösung ist. Du kannst natürlich auch aggressiver spielen. Das Spiel bietet genügend Waffen und Möglichkeiten, um aus einem Schleichabschnitt eine Schießerei zu machen. Aber genau dann verliert "MGS4" einen Teil seiner Stärke. Das Spiel belohnt Beobachtung. Wenn du einen Gegner siehst, solltest du nicht automatisch auf ihn schießen.
Erst einmal lohnt es sich, seine Bewegung zu verfolgen. Wer steht wo? Welche Richtung nimmt die Patrouille? Gibt es einen anderen Weg? Kannst du vorbeischleichen? Diese Entscheidungen funktionieren auch heute noch. Das liegt vor allem daran, dass "MGS4" nicht einfach nur ein Deckungsshooter ist. Die Umgebung, die Gegner und deine Ausrüstung greifen ineinander. Gerade bei den größeren Auseinandersetzungen merkt man, dass das Spiel andere Ideen verfolgt als moderne Actionspiele. Die Gegner reagieren auf das Geschehen und können ihre Positionen verändern. Dadurch entstehen Situationen, die nicht immer exakt gleich ablaufen. Bei den Bosskämpfen geht "MGS4" indes einen ganz eigenen Weg.
Bei Bossen reicht es nicht immer, viel Schaden zu verursachen. Einige Begegnungen verlangen, dass du die Situation beobachtest und herausfindest, welche Vorgehensweise funktioniert. Das kann angenehm sein, weil sich die Kämpfe dadurch voneinander unterscheiden. Es kann aber auch frustrieren, wenn du nicht erkennst, was das Spiel von dir erwartet. Gerade nach heutigen Standards ist man gewohnt, dass ein Bosskampf klar signalisiert, was zu tun ist. "MGS4" ist hier manchmal weniger direkt. Das passt allerdings zum Rest des Spiels. Auch die Bossfiguren selbst sind ungewöhnlich inszeniert. Die Begegnungen sind nicht nur Kämpfe, sondern Teil der Geschichte. Wer zum ersten Mal einsteigt, könnte dagegen öfters den Kopf schütteln.
Nach MGS4 wirkt das ebenfalls enthaltene "Peace Walker" fast wie ein anderes Spiel. Statt einer großen Kampagne bekommst du viele kleine Missionen. Das macht das Spiel wesentlich leichter zugänglich, wenn du zwischendurch nur eine kurze Runde spielen möchtest. Peace Walker erschien ursprünglich für die PSP und wurde später als HD-Version veröffentlicht. Genau diese HD-Fassung bildet die Grundlage der Sammlung. Die Version verfügt über eine angepasste Steuerung mit zwei Analogsticks. Die Missionen sind kompakter aufgebaut. Du kannst eine Aufgabe starten, erledigen und anschließend wieder an deine Basis zurückkehren. Dort geht es um Personal, Ausrüstung und die Weiterentwicklung der eigenen Truppe.
Das System wirkt heute interessant, weil man hier bereits viele Ideen erkennt, die später in "Metal Gear Solid V" eine größere Rolle spielen. Besonders die Rekrutierung von Gegnern über das Fulton-System macht einen Unterschied. Gegner werden nicht einfach nur besiegt. Sie können für die eigene Basis genutzt werden. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Kreislauf: Mission spielen, Personal gewinnen, Basis ausbauen, neue Möglichkeiten erhalten und wieder in die nächste Mission gehen. Das ist weniger schwerfällig als die riesige Erzählstruktur von "MGS4". Auch Peace Walker profitiert indes von der technischen Anpassung. Auf PlayStation 5 sind wieder bis zu 4K-Ausgabe und 60 Bilder pro Sekunde vorgesehen.
Dazu gibt es mehrere Darstellungsoptionen, darunter Original, angepasst, hohe Auflösung und eine benutzerdefinierte Einstellung. Der Unterschied zu "MGS4" ist dabei interessant. Bei "Peace Walker" merkt man viel stärker, dass hier ein ursprünglich für eine mobile Plattform entwickeltes Spiel auf einem großen modernen Bildschirm läuft. Die höhere Auflösung hilft. Gleichzeitig bleibt die Bildsprache einfacher. Auch die Missionen fühlen sich entsprechend anders an. "Peace Walker" will weniger das große Kino sein und mehr ein Spiel, das du in überschaubaren Abschnitten spielst. Das funktioniert überraschend gut. Nach einer langen "MGS4"-Sequenz ist eine kompakte "Peace Walker"-Mission eine willkommene Abwechslung.
Bei "Peace Walker" gibt es außerdem einen Punkt, den man nicht unterschlagen sollte: Der kooperative Teil ist weiterhin Bestandteil der Version. Der Titel unterstützt kooperative Missionen für 2 bis 4 Spieler sowie einen Versus-Modus für bis zu 6 Spieler. "MGS4" selbst bleibt dagegen ein Einzelspieler-Erlebnis. Der frühere "Metal Gear Online"-Modus gehört nicht zum Umfang von Vol. 2. Und dann wäre da noch "Ghost Babel". Das Spiel stammt aus dem Jahr 2000 und wurde ursprünglich für den Game Boy Color veröffentlicht. In "Vol. 2" steckt es als Bonusinhalt. Grafisch ist das natürlich eine komplett andere Welt. Nach "MGS4" mit seiner aufwendigen 3D-Darstellung wirkt Ghost Babel zunächst fast wie ein Fremdkörper.
Der Wechsel ist enorm. Eben noch steht Snake in einer aufwendig inszenierten Umgebung, danach blickst du auf eine reduzierte 2D-Darstellung. Trotzdem funktioniert das Spiel. "Ghost Babel" nimmt die Grundidee von "Metal Gear" und überträgt sie auf die Möglichkeiten des Game Boy Color. Du bewegst Snake durch überschaubare Bereiche, weichst Gegnern aus und musst dir überlegen, wann du dich zeigen darfst. Wer moderne Grafik erwartet, ist hier falsch. Wer sich für die Geschichte der Serie interessiert, bekommt dagegen einen spannenden Einblick. "MGS4" steht im Mittelpunkt, "Peace Walker" glänzt auch. Aber sobald "Ghost Babel" einmal im Menü verfügbar ist, lohnt es sich, zumindest hineinzuspielen.
"Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2" ist ein Muss für jeden "Metal Gear"-Fan und zeigt, wie man die alten, legendären Titel unverfälscht auf neue Hardware bekommt. "MGS4" sieht in höherer Auflösung sauberer aus, läuft mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde und lässt sich an moderne Controller anpassen. Die Kamera und die Steuerung fühlen sich trotzdem nicht plötzlich wie aus einem neuen Spiel an. Das muss man wissen, bevor man sich darauf einlässt. Wenn du "MGS4" bereits kennst, ist die Rückkehr deutlich leichter. Viele Eigenheiten wirken vertraut. Manche langen Zwischensequenzen werden dich trotzdem wieder auf die Geduldsprobe stellen. Wenn du das Spiel noch nie gespielt hast, solltest dir das bewusst sein.
"Peace Walker" ist für mich die angenehmere Ergänzung. Die kürzeren Missionen, die Basis und die Entwicklung der eigenen Truppe geben dem Paket ein anderes Tempo. "Ghost Babel" bleibt eine Kuriosität, die vor allem Serienfans interessieren dürfte. Unterm Strich ist "Vol. 2" eine sehr abwechslungsreiche "Metal Gear"-Sammlung, die Fans die Möglichkeit gibt, zumindest einen nicht so bekannten Ableger erneut oder erstmals zu erleben. Das Highlight aber: "MGS4" war lange an eine einzige Konsole gebunden. Jetzt kann Snake wieder auf einer aktuellen Plattform losziehen. Das Spiel selbst ist dabei nicht jünger geworden. Aber die technische Hürde ist verschwunden und das Spiel hat nichts von seiner ursprünglichen Faszination eingebüßt.