"So erlebte ich Klima-Expedition in die Arktis"

Vier Monate lang lebte Ivo Beck auf einem Schiff in der Arktis. Für Forschungszwecke gab er sich der kompletten Dunkelheit und einer Temperatur von minus 35 Grad hin.

Mit dem Paul Scherrer Institut, dem größten Forschungsinstitut für Natur- und Ingenieurwissenschaften der Schweiz, reiste Ivo Beck in die Arktis. Er war ein Teil der "Mosaic Expedition", der größten Forschungsreise in die Arktis, die es jemals gab. Ganze vier Monate lang lebte der gebürtige Schweizer mit seinen Forscherkollegen auf einem Schiff, das in der Zentralarktis eingefroren wurde.

"Die ganze Erfahrung war sehr prägend. Ich war das erste Mal in der Arktis. Wenn man dann auf dem Eis steht und nichts außer ein riesiges Schiff vor sich sieht, ist das sehr imposant", erzählt Beck. Gleichzeitig sei es aber auch ein wenig absurd gewesen. Der Arktiswinter lasse keinen einzigen Sonnenstrahl durch, es sei die ganze Zeit stockdunkel gewesen. "Es fühlt sich an, als wäre man im Nirgendwo. Das war aber irgendwie cool", sagt der 33-Jährige.

Etwas anstrengend war für den Forscher hingegen der eintönige Alltag. Man konnte keine Freunde treffen oder einfach mal rausgehen. Jeder Abend musste auf dem Schiff verbracht werden, da es draußen zu kalt und zu gefährlich gewesen wäre. "Man weiß ja nicht, ob man plötzlich von einem Eisbären überrascht wird, das kann man nicht riskieren", so Beck. Doch das gemeinsame Verharren habe auch extrem zusammengeschweißt. "Wir haben uns am Abend in den Kabinen zum Kartenspielen oder zum Plaudern verabredet. Wenn man jeden Tag mit denselben Personen verbringt, gewöhnt man sich schnell aneinander."

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Mit Schutz von Bären-Wächtern hinaus aufs Eis

Wer nach draußen wollte, musste sich vorher anmelden. Dann ging es morgens gegen 9 Uhr in die Wildnis, jedoch nur in Begleitung eines Bären-Wächters. "Wir wurden zuvor zu Bären-Wächtern ausgebildet", sagt Beck. "Die Aufgabe der Wächter ist, nach Eisbären Ausschau zu halten, bewaffnet mit Gewehren und Schreckschusspistolen." Am Abend wurde dann der Gangway, der das Schiff mit dem Eis verbindet, jeweils hochgezogen.

Mosaic-Expedition

Die Mosaic-Expedition ist die größte Polarexpedition der Geschichte. Im September 2019 ist der deutsche Forschungseisbrecher "Polarstern" von Tromso in Norwegen aus in See gestochen, um ein Jahr lang durch den Arktischen Ozean zu treiben. Ziel der Mosaic-Expedition ist es, die Arktis als Epizentrum der globalen Erwärmung so genau wie möglich zu betrachten und grundlegende Erkenntnisse zu gewinnen, die für ein besseres Verständnis des globalen Klimawandels von großer Bedeutung sind. Hunderte von Forschern aus 20 Ländern sind an diesem Unterfangen beteiligt.

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