So gefährlich ist die Brasilien-Mutation jetzt für uns

Ein Corona-Patient wird auf einer Intensivstation im Spital von Tulln behandelt. (Archivfoto)
Ein Corona-Patient wird auf einer Intensivstation im Spital von Tulln behandelt. (Archivfoto)HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com
Die brasilianische Mutation des Coronavirus scheint in Österreich angekommen zu sein. Ist das ein Grund zur Besorgnis?

Nach der britischen Coronavirus-Variante B.1.1.7 versetzt nun auch die brasilianische Mutante P.1. Österreich in Angst und Schrecken. Der erste Verdachtsfall kommt aus Salzburg. Doch was bedeutet das jetzt für uns? Und wie gefährlich ist die Mutation aus dem über 9.000 Kilometer entfernten Land wirklich?

Die derzeitige Lage in Brasilien - und vor allem der Millionenmetropole Manaus - verheißt nichts Gutes: Das Gesundheitssystem stößt an seine Grenzen. Aus Manaus, wo man, nachdem sich im vergangenen Jahr drei Viertel der Bevölkerung mit SARS-CoV-2 infiziert hatten von einer Herdenimmunität ausgegangen war, kommen Bilder des Grauens. Die Sauerstoff-Reserven sind aufgebraucht, Patienten werden mit Handpumpen beatmet. Allein seit Beginn des Jahres 2021 gab es Tausende Tote.

Hochansteckend

Der Grund: P.1. soll laut der brasilianischen Regierung dreimal ansteckender als die Ursprungsform sein. Doch damit noch nicht genug, Experten vermuten, dass die Brasilien-Mutation womöglich so viele Veränderungen aufweist, dass sie vom Immungedächtnis schlechter erkannt wird, wie "Science News" berichtet. Sprich, sie zusätzlich auch resistenter gegen Antikörper ist. Verantwortlich dafür soll ein zusätzliches Spike-Protein an der Oberfläche des mutierten Virus sein - einer sogenannten Fluchtmutation. 

Sie kommt zum Tragen, wenn das Virus mit zunehmender Immunität in der Bevölkerung unter Druck gerät, der Immunantwort des menschlichen Körpers auszuweichen. Darauf zumindest würden die erneuten Infektionen von Personen hinweisen, die bereits eine Covid-19-Erkrankung hinter sich haben. 

In den Bauplänen der neuen Varianten aus Brasilien, England und Südafrika betreffen die Mutationen die sogenannten Spike-Proteine. Diese funktionieren wie Schlüssel: Trifft das Virus auf eine menschliche Zelle, muss es zuerst den Eingang finden, das Schlüsselloch sozusagen. Bei der ursprünglichen Form des SARS-CoV-2 dauert dies relativ lange und gelingt nicht immer. Durch die Mutationen enthalten die Zapfen der Spike-Proteine allerdings andere Aminosäuren, was die Eigenschaften des Virus verändert. Es hat sozusagen den Schlüssel gefunden, mit dem es schneller andocken und die Zelle infizieren kann - und ist dadurch infektiöser.

Wie resistent die Variante P.1. auch gegenüber den bisher entwickelten Impfstoffen ist und inwieweit diese in Zukunft angepasst werden müssen, muss noch erforscht werden.

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