Der Klimawandel beschleunigt sich rasant. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre hat mit 424 Parts per Million den höchsten Wert seit zwei Millionen Jahren erreicht. Immer mehr Wissenschaftler sind überzeugt, dass man das Gas aktiv aus der Atmosphäre entfernen muss.
Forscher des Helmholtz-Zentrums Hereon im deutschen Geesthacht haben jetzt eine überraschend einfache Lösung präsentiert: Alkalische Industrieabwässer, die bisher mit Säuren behandelt werden müssen, können stattdessen CO2 binden.
Wie forschung-und-wissen.de unter Berufung auf das Helmholtz-Zentrum berichtet, basiert das Verfahren auf einer simplen chemischen Reaktion. "Unser Verfahren basiert im Grunde auf einer Reaktion, die man noch aus dem Chemieunterricht kennt - der Neutralisierung einer Lauge durch eine Säure", erklären die Wissenschaftler.
Das sogenannte WAF-System (Wastewater Alkalinity Preservation) leitet Abwasser, CO2 und Flusswasser in eine Mischkammer. Dabei wird das Treibhausgas in Karbonat-Ionen umgewandelt und dauerhaft gebunden.
"Diese Abwässer fallen in großen Mengen an - in der Zement- oder Stahlproduktion zum Beispiel", so die Forscher. Bei stark alkalischen Abwässern aus der Aluminiumverarbeitung könnten vier bis zehn Kilogramm CO2 pro Kubikmeter gebunden werden.
Eine Simulation zeigt das enorme Potenzial: Eine einzige mittelgroße Fabrik könnte mit ihrem ohnehin anfallenden Abwasser rund 1,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr binden - ganz ohne hohen Energieaufwand. Der große Vorteil: Die Industrie spart sich teure Säuren zur Neutralisation.