Wien

Enthüllt – So schummelten Klima-Kleber Farbe ins Museum

Letzte Woche sorgte ein Klima-Protest im Wiener Leopold-Museum für internationale Schlagzeilen. Nun packt der Täter aus.

Leo Stempfl
"Tod um Leben" wurde am 15. November mit schwarzer Farbe überschüttet. Florian Wagner ist hier links im Bild (schwarze Haare).
"Tod um Leben" wurde am 15. November mit schwarzer Farbe überschüttet. Florian Wagner ist hier links im Bild (schwarze Haare).
via REUTERS

Es ist ein Foto, das selbst in der Online-Ausgabe der "New York Times" mit ihren 240 Millionen Lesern für Schlagzeilen sorgte. Ein Sicherheitsmann umklammert einen Aktivisten, einige Meter entfernt steht eine zweite Person, die Hand an einem Gemälde von Gustav Klimt, welches mit pechschwarzer Farbe überschüttet wurde.

"Die Flüssigkeit ist abwischbar und weder sauer noch basisch, biologisch also unbedenklich. Wir haben eine Molekularbiologin und eine Chemikerin in unserem Kernteam, dafür haben die beiden gesorgt", erklärt der Ökonom Florian Wagner (30) in der "Kronen Zeitung". Er hat das "Erdöl" über das Klimt-Meisterwerk "Tod und Leben" geschüttet. Obwohl er nun im Leopold-Museum Hausverbot hat, traf er sich dort mit Interview-Größe Conny Bischofberger.

Museumschef fassungslos über Aussagen der Klima-Kleber >>

Wärmflasche voll Öl

Dabei erklärt er auch, wie er die Flüssigkeit ins Innere der Ausstellung schmuggeln konnte. "Wir haben zwei Liter davon in eine Wärmflasche gefüllt, die ich mir mit einem Schal um den Bauch gebunden habe. Darüber hab ich mir einen weiten Pullover angezogen." Das Schütten selbst habe er zu Hause in der Dusche mehrere Male geübt. "Ich wollte wirklich nichts kaputt machen, das war mir sehr wichtig. Der Winkel, in dem ich schütten musste, damit die Farbe wirklich nur auf dem Schutzglas landet, war entscheidend."

Sogar die Seite, auf der er zur Aktion ansetzte, war penibel geplant. Eine andere Aktivistin kontrollierte im Vorfeld, ob das Gemälde wirklich auf allen Seiten und Rändern durch Glas geschützt ist. Und da zu rechter Hand kein Bild hängt und links eines, das nicht verglast ist, schüttete er eben von links nach rechts. Die Flüssigkeit selbst ist nichts anderes als Wasser mit Guarkernmehl.

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    Der Klima-Kleber im Leopold Museum.
    Der Klima-Kleber im Leopold Museum.
    Leserreporter

    "Spinnst du komplett?"

    "Wir nutzen das Museum als Bühne, um die Menschen aufzurütteln. Weil die Zerstörung der Natur offenbar nicht genug schockiert." Trotzdem ermittele die Staatsanwaltschaft nun gegen ihn sowie seinen Kollegen Lorenz. Auch wenn Florian die Aktion nicht als Attacke auf die Kunst wertet ("Ich liebe ja dieses Bild"), könnten die Strafverfolger das freilich anders sehen.

    Gegenwind erfuhr er dabei aber sogar von Bekannten, erzählt er in der "Krone". Manch einer rief an und fragte: "Spinnst du komplett?" Die breite Masse wolle man aber überhaupt nicht erreichen. Es gehe um jene zehn bis 15 Prozent, "die Greta Thunberg gut finden oder die Lobaubewegung". 

    Wien bleibt verschont

    Anschließend finden sich auch empathische Worte: "Die Kontrollen in den Museen sind natürlich ärgerlich und auch mir tut es Leid, wenn Leute im Stau stehen und dann zu spät zur Arbeit kommen. Aber das sind ein paar hundert Menschen, die für kurze Zeit behindert werden. An der Klimakrise sind jetzt schon weit mehr Menschen gestorben als an Corona. Und die Krise wird immer schlimmer."

    Es gäbe nun mal keine andere Möglichkeit. Anfangs übergoss man noch sich selbst mit schwarzer Farbe, nur wenige Meter von Bundeskanzler Karl Nehammer am Ballhausplatz entfernt. Doch das Video hat niemanden interessiert. Es wird deswegen noch viele weitere Aktionen geben.

    Gute Nachricht für die Bundeshauptstadt: "Bis zum 9. Jänner verschonen wir Wien mit Straßenblockaden und gehen stattdessen in die Bundesländer."