Für Österreichs Familien ist die Belastung im zweiten Lockdown markant gestiegen. Das zeigt eine Untersuchung von Sora im Auftrag des Momentum Instituts. Während im ersten Lockdown im Frühjahr 46 Prozent der Familien angegeben hatten, stark belastet zu sein, sind es jetzt 58 Prozent. "Unter den Müttern sind es mit fast zwei Dritteln deutlich mehr als unter den Vätern. Das zeigt, wie sehr Frauen nach wie vor die Hauptlast der Kinderbetreuung tragen", so Barbara Blaha, Leiterin des Momentum Instituts, in einer Aussendung.
Für die repräsentative Studie wurden von 19. bis 27. November österreichweit 685 Eltern von Kindern unter 15 Jahren befragt und mit den Ergebnissen einer ersten Umfrage aus dem April verglichen. In der Arbeiterschicht stieg die Arbeitslosigkeit vom ersten zum zweiten Lockdown auf 14 Prozent. Rund die Hälfte der Familien beklagt Einkommensverluste, vor allem die Einkommensschwächsten. Fast sieben von zehn Haushalten mit unter 2.000 Euro Nettoeinkommen berichten von Einkommensverlusten, sechs von zehn mussten Ausgaben einschränken oder auf Ersparnisse zurückgreifen.
"Homeoffice und flexible Arbeitszeiten blieben allerdings nach wie vor hauptsächlich höheren Bildungsschichten vorbehalten", sagt Sora-Experte Paul Ringler. Über 70 Prozent der Kinder wurden im zweiten Lockdown trotz offener Schulen zuhause betreut. Weil Frauen nach wie vor die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung tragen, verlagerten viele ihre wieder gestiegenen Arbeitszeiten noch stärker in Randzeiten. "Jede dritte befragte Frau arbeitete früh morgens oder abends, jede zehnte sogar in der Nacht, um trotz Kinderbetreuung Zeit für Erwerbsarbeit zu finden", erläutert Blaha.
Unterricht zu Hause ist vor allem für Kinder aus bildungsfernen Familien ein Problem: Rund 40 Prozent der Eltern mit Pflichtschulabschluss oder Lehre geben an, ihre Kinder nicht optimal beim Lernen unterstützen zu können. Insgesamt vergeben Österreichs Eltern schlechte Noten für die Vorbereitungen des Bildungssystems auf die zweite Welle: 60 Prozent sind der Meinung, die Bundesregierung habe die Schulen und Kindergärten nicht ausreichend Corona-fit gemacht.