Thomas Gottschalk streicht Steffi Graf übers Knie, Harald Schmidt zwickt in einen quietschenden Plastikbusen und Rudi Carrell fragt Karl Dall, wie es denn so sei, sexuell belästigt zu werden. Die Antwort: "Es war ekelhaft bis erregend."
Willkommen im deutschen Unterhaltungsfernsehen der 90er- und frühen 2000er-Jahre. Einer Zeit, in der im TV offenbar ziemlich viel als lustig durchging – solange hauptsächlich Männer darüber lachten.
Genau dorthin führt die Dokumentation "Was haben wir gelacht" von Eva Müller und Isabel Schneider. Und der Titel bekommt beim Blick ins Fernseharchiv schnell einen ziemlich ironischen Beigeschmack.
Denn wer heute noch einmal sieht, was damals zur besten Sendezeit als Unterhaltung verkauft wurde, dürfte sich öfter fragen: Wie konnte das eigentlich so normal sein?
Thomas Gottschalk, Stefan Raab, Harald Schmidt und Co. bestimmten über Jahre, worüber Deutschland lachte – und prägten damit auch den Humor einer ganzen Generation. Frauen waren dabei erstaunlich oft Dekoration, Stichwortgeberinnen oder Zielscheibe des nächsten Gags.
Die Doku dreht die Perspektive nun um und erzählt die Geschichte des deutschen Unterhaltungsfernsehens ab den 90er-Jahren aus weiblicher Sicht. Dafür kommen unter anderem Hella von Sinnen, Maren Kroymann, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins zu Wort. Gemeinsam schauen sie auf Archivaufnahmen zurück, die heute irgendwo zwischen unfassbar, absurd und ziemlich unangenehm wirken.
Sie erzählen von einer Fernsehlandschaft, in der Frauen lange vor allem als Assistentinnen und hübsches Beiwerk vorgesehen waren – und weiblicher Humor gerne einmal zum angeblichen "Quotenkiller" erklärt wurde.
Eine besondere Rolle spielte Hella von Sinnen. Sie weigerte sich, frauenfeindliche Pointen mitzutragen – damals alles andere als selbstverständlich. Damit brach sie eine der unausgesprochenen Regeln der Branche. "Daran mussten wir das Publikum erst gewöhnen", erinnert sie sich.
"Was haben wir gelacht" ist damit nicht nur eine Reise zurück in die schrillen Fernsehjahre der 90er und Nullerjahre. Die Doku zeigt auch, wie sehr sich unser Blick auf Humor verändert hat – und wie viel von dem, was früher als harmloser Spaß verkauft wurde, heute ganz anders wirkt.
Unterhaltsam ist das trotzdem. Oder gerade deshalb. Denn zwischen Nostalgie, Fremdscham und Kopfschütteln bleibt eine ziemlich spannende Frage hängen: Worüber haben wir damals eigentlich gelacht – und über wen?
Ab 21. August ist "Was haben wir gelacht" auch im Admiral Kino zu sehen.