Es beginnt unscheinbar: Zehn Minuten früher da sein, um den Computer hochzufahren, die Kasse zu zählen oder das Geschäft aufzusperren. Nach Arbeitsschluss noch schnell die E-Mails checken, die Ware verräumen oder das Büro aufräumen. Immer gerade so wenig, dass niemand offiziell von Ausbeutung spricht.
Die Rechnung ist erschreckend: Wer täglich 30 Minuten unbezahlt arbeitet, kommt auf rund 130 Stunden Gratisarbeit im Jahr. Bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 14,40 Euro entspricht das einem Verlust von fast 1.900 Euro brutto - für viele ein kompletter Monatslohn.
Wie inside-digital.de berichtet, leisten Beschäftigte jährlich hunderte Millionen unbezahlte Überstunden. Allein in Österreich wurden zuletzt fast 47 Millionen Überstunden ohne Geld- oder Zeitausgleich geleistet. Jede vierte Überstunde ist demnach unbezahlte Gratisarbeit.
Branchen mit hohem Kostendruck und schwacher gewerkschaftlicher Organisation sind besonders anfällig: Einzelhandel, Gastronomie, Logistik und Sicherheitsbranche. Viele Beschäftigte verzichten aus Angst vor Kündigung auf Gegenwehr.
Arbeitnehmer haben mehrere Möglichkeiten: Arbeitszeiten selbst dokumentieren, Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen oder sich an die Arbeiterkammer wenden. Wenn der reale Stundenlohn durch unbezahlte Arbeit unter den Mindestlohn fällt, kann das ernsthafte Konsequenzen für das Unternehmen haben.