So viele Tests reduzieren Covid-Risiko im Kindergarten

Testen mindestens die Hälfte der Kinder und des Betreuungspersonals zweimal wöchentlich, sinkt das Infektionsrisiko deutlich. 
Testen mindestens die Hälfte der Kinder und des Betreuungspersonals zweimal wöchentlich, sinkt das Infektionsrisiko deutlich. Getty Images/iStockphoto
In Kindergärten basiert das Testen nach wie vor auf Freiwilligkeit. Was es tatsächlich für einen sicheren Betrieb braucht, zeigt eine Studie.

Während für Schüler drei Tests in der Woche verpflichtend sind, gibt es in Österreichs Kindergärten immer noch kein einheitliches Testsystem. Jedes Kind kann, keines muss testen. In Wien wurde lediglich eine Empfehlung ausgesprochen und diese sorgte im neuen Jahr bereits für viel Wirbel. Die Infektionszahlen bei den bis Sechsjährigen sind deshalb eine reine Dunkelziffer.

Dabei können die Kleinsten unter uns genauso schwer an SARS-CoV2 erkranken oder Long Covid entwickeln wie ältere Kinder oder Erwachsene.

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Gurgeln und Spülen wird am besten angenommen

Wie oft deshalb auch im Kindergarten getestet werden sollte und welche Testformen am ehesten angenommen werden, zeigt jetzt eine Studie der Julius-Maximilians-Universtität Würzburg – veröffentlicht in der Fachzeitschrift "JAMA Network Open". Dazu wurden rund 600 Kinder aus neun Kinderbetreuungseinrichtungen im Stadtgebiet Würzburg sowie das Betreuungspersonal zwischen Oktober 2020 und März 2021 – unterbrochen durch den Lockdown - regelmäßig auf eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus getestet.

Nun kam man zu der Schlussfolgerung, dass vor allem nicht-invasive und wenig belastende Testmethoden, wie die Entnahme von Mundspülwasser, sehr gut angenommen werden. Die Bereitschaft zur Teilnahme war nach umfassender Aufklärung sowohl bei Kindern und deren Eltern als auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hoch. Die geringste Abbruchrate gab es außerdem, wenn die Testmethode zu Hause stattfand. 

Jüngere Kinder können bereits spülen, Gurgeln ist ab einem Alter von etwa vier Jahren möglich.

Zwei Test pro Woche

Noch wichtiger ist jedoch das Ergebnis des daraus erstellten mathematischen Modells: Lassen sich mindestens die Hälfte der Kinder und des Betreuungspersonals zweimal wöchentlich testen, ist die Gefahr einer Infektionsübertragung in der Betreuungseinrichtung so gering, dass eine kontinuierliche Kindergarten-Betreuung möglich ist.

"Das zweimal wöchentliche Testen der Hälfte der Kinder in einer Betreuungseinrichtung scheint ein realistisches und praktikables Konzept zu sein, um ein durchgängiges Offenhalten von Kinderbetreuungseinrichtungen zu ermöglichen. Ein nicht-invasives Testkonzept wie die Abgabe von Mundspülwasser oder Lollitests ließe sich sicher auch auf eine größere Zahl von Kinderbetreuungseinrichtungen übertragen", sagt Johannes Liese von der Kinderklink am Universitätsklinikum Würzburg.

Dabei sollte der erste Test am Wochenbeginn erfolgen und die Testergebnisse müssen innerhalb von 24 Stunden vorliegen. Dies zeigt eine bioinformatische Modellierung der Virusausbreitung basierend auf den Studiendaten. Oliver Kurzai vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie erklärt: "Um Zweitinfektionen in den Kita-Gruppen zu vermeiden, ist es entscheidend, eine bestehende Covid-19-Infektion so schnell wie möglich zu detektieren. Das PCR-Ergebnis sollte entsprechend am Abend des Testtages, spätestens jedoch am Morgen des Folgetages vorliegen. Wenn das logistisch nicht möglich ist, kann ein Antigen-Schnelltest trotz seiner niedrigen Sensitivität definitiv die bessere Wahl sein."

Zuverlässige Testmethode

Diese regelmäßigen Tests wirkten sich auch positiv auf das Sicherheitsempfinden der teilnehmenden Eltern und des Betreuungspersonals aus und minderte die empfundene psychische Belastung durch die Covid-19-Pandemie.

"Neben der hohen Teilnehmerrate und der klar dokumentierten positiven Auswirkung der regelmäßigen Testungen auf das psychische Befinden der Eltern und des Betreuungspersonals ist es besonders erfreulich, dass es während des gesamten Studienzeitraumes keine unentdeckte Covid-19-Infektion gegeben hat, wie wir mittels Antikörpertests feststellen konnten", so Johannes Forster vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie an der Universität Würzburg.

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