So wichtig ist Sport nach der Schwangerschaft

Das Baby ist da, der Bauch aber nicht weg. Wann Sie nach der Geburt wieder mit den Sport anfangen können und wie viel Zeit Sie sich dafür nehmen sollten, verrät Hebamme Tanja Fussthaler.
Kaum haben sie ein Kind zur Welt gebracht, zeigen sich Promi-Mütter auch schon wieder rank und schlank vor den Kameras. Ein Ideal, das nicht nur meist unerreichbar ist, sondern durch übertriebenes Training direkt nach der Geburt sogar schädlich sein kann. Am Wandertag von MAM Babyartikel haben wir bei Hebamme Tanja Fussthaler, Hebamme und Gründerin des Beratungsportals "online-hebamme.com", nachgefragt, wie realistisch das Ideal der Superstars ist, ob Miederhöschen bei der Rückbildung helfen und ob eine altbekannte Faustregel tatsächlich stimmt:

Vor allem Superstars und Topmodels zeigen sich oft kurz nach der Geburt eines Kindes wieder topfit und rank und schlank. Wie realistisch und vor allem gesund sind solche Ziele?

Hebamme Tanja Fussthaler:Sport nach der Geburt ist nicht das Thema, dessen am meisten Beachtung geschenkt werden sollte. Rückbildungsprozesse, allen voran die Wundheilung, und das Kennenlernen des Kindes sind vorrangig. Topmodels und Superstars haben auch nach der Geburt primär ihren Job zu erfüllen. Sie müssen schnell wieder dem Bild ihres Berufes entsprechen. Dieses Bild passt mit dem einer Wöchnerin und Frau, die gerade Mutter geworden ist, natürlich nicht überein und soll es auch nicht. All die Mamas sollten dadurch keinen Druck verspüren.

Wann darf oder sollte wieder mit Sport begonnen werden?

Das Wochenbett wird unterteilt in frühes und spätes Wochenbett. Rückbildungsübungen werden ebenfalls unterteilt in aktive und reaktive Übungen. Aktives Training ist vor vier bis sechs Wochen nicht anzudenken. Und da sollte auch erstmals mit leichten Rückbildungsübungen gestartet werden, die von Hebammen oder anderen Professionistinnen angeleitet werden. Am besten in einem Rückbildungskurs, da kann immer auf das individuelle Niveau geachtet werden. Ich denke, dass es schon einen Unterschied macht, ob eine Frau vor der Geburt sportlich aktiv war oder nicht. Die Ausgangssituation ist eine ganz andere bei Sportlerinnen. Frauen, die vor und in der Schwangerschaft in Bewegung waren, sind meiner Meinung nach nachher schneller wieder fit und Muskulär kräftiger. Reaktive Übungen können nach den ersten 12 Stunden schon gestartet werden. Sie bilden die Basis für alles weitere und fördern die Rückbildung sehr.

Wie wichtig ist ein Rückbildungskurs und wozu ist der gut?

In Rückbildungskursen wird die Grundspannung der Beckenbodenmuskulatur trainiert und dadurch wieder hergestellt. Diese Spannung ist sehr wichtig, damit die Organe wieder an ihren Platz zurückkehren und gehalten werden können. Somit wird Senkungsproblemen vorgebeugt. Auch sportliche Aktivitäten brauchen eine kräftige Beckenbodenmuskulatur als Basis. Der Tonus der Vaginalmuskulatur wird durch Beckenbodenübungen gestrafft, was für Sexualverkehr beispielsweise sehr wichtig ist. Und allen Voran hängt die ganze Haltung einer Frau von guter Rückbildung ab. Wer hat nicht gerne eine starke Mitte? Bauch und Beckenboden tragen zu einer starken Mitte bei.

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Angeblich sollen Miederhöschen bei der Rückbildung helfen. Können Sie das bestätigen?

Miederhöschen sind meiner Meinung nach eher dazu dar, dass Frauen sich wohler fühlen. Ich habe beobachtet, dass sie eher für ein besseres Gefühl getragen werden, nicht weil sie medizinisch benötigt werden.

„9 Monate im Bauch, 9 Monate am Bauch", stimmt die Faustregel?

9 Monate ist die Frau schwanger und 9 Monate muss sie sich geben, bis alles wieder annähernd so wird, wie sich Frau das vorstellt. Zum einen ist es bei stillenden Müttern so, dass das Hormon Prolaktin, das die Milch bildet, unter anderem verantwortlich ist für weiteres Bindegewebe. „Alles hängt" sagen betroffene Frauen. Solange das Baby gestillt wird, verändert sich das auch nicht stark. Zum anderen muss immer an Geburtsverletzungen gedacht werden. Frauen, die höher gradige Geburtsverletzungen erlitten haben, wie einen Dammschnitt, haben mit der Narbe oft bis zu einem Jahr nach der Geburt Probleme bzw. Spüren diese beim Geschlechtsverkehr. Sie sehen, das mit den 9 Monaten kommt hin. (kiky)

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