Die Sensation ist perfekt! Kap Verde hat bei der Fußball-WM erstmals den Sprung in die K.-o.-Runde geschafft und schreibt damit weiter an seinem Fußball-Märchen. Dem Inselstaat reichte am letzten Spieltag der Gruppe H ein 0:0 gegen Saudi-Arabien, weil Spanien parallel Uruguay mit 1:0 bezwang. Während "La Furia Roja" als Gruppensieger ins Sechzehntelfinale einzog, musste der zweimalige Weltmeister Uruguay bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten.
Spanien tat sich in Guadalajara gegen die bissigen Südamerikaner lange schwer und überzeugte offensiv nur selten. Die Entscheidung fiel erst kurz vor der Pause durch einen folgenschweren Patzer von Uruguays Torhüter Fernando Muslera. Der 40-Jährige ließ einen harmlosen Schuss von Alex Baena (42.) durch die Hände ins Tor rutschen und wurde zur Halbzeit von Trainer Marcelo Bielsa ausgewechselt. Spanien verwaltete den knappen Vorsprung danach ohne großen Glanz, Ferran Torres traf kurz vor Schluss noch die Latte (86.). In der Nachspielzeit sah Uruguays Agustin Canobbio nach einem brutalen Foul die Rote Karte.
Mit sieben Punkten sicherte sich Spanien souverän den Gruppensieg und trifft im Sechzehntelfinale auf den Zweiten der Gruppe J. Damit steht auch fest: Holt Österreich gegen Algerien zumindest einen Punkt und steigt als Gruppenzweiter auf, wartet am Donnerstag um 21.00 Uhr ausgerechnet der Europameister Spanien um Lamine Yamal auf die ÖFB-Auswahl. Nur bei einer Niederlage gegen Algerien könnte sich der mögliche Gegner für die Mannschaft von Ralf Rangnick noch ändern.
"Heute mussten wir viel kämpfen. Aber wir sind ruhig geblieben und haben uns diesen Sieg verdient", sagte Spaniens Marc Cucurella. Bielsa übernahm nach dem nächsten WM-Fehlschlag die Verantwortung: "Wir hatten ein Potenzial, das ich nicht in eine Mannschaft formen konnte, die ihrem Niveau gerecht wurde."
Groß war der Jubel in Houston. Kap Verde hielt Saudi-Arabien mit einem torlosen Remis in Schach und durfte anschließend auf das Ergebnis aus Guadalajara hoffen. Als Spaniens Führung über die Stadionleinwand eingeblendet wurde, brachen auf den Rängen bereits die ersten Jubelszenen aus. Am Ende stand fest: Der drittkleinste WM-Teilnehmer der Geschichte zieht mit drei Remis und ohne Niederlage sensationell als Gruppenzweiter in die K.-o.-Phase ein.
"Das ist ein sehr besonderer Moment. Ich wollte fast weinen. Wir sind ein kleines Land mit einer kleinen Bevölkerung. Aber wir haben ein großes Herz", sagte Deroy Duarte nach der historischen Qualifikation. Erstmals seit der WM 2006 schaffte damit wieder ein WM-Debütant den Einzug in die K.-o.-Runde. Dort wartet allerdings eine Mammutaufgabe: In der Nacht auf den 4. Juli trifft Kap Verde in Miami auf Titelverteidiger Argentinien und Superstar Lionel Messi.
Saudi-Arabien hingegen verpasste trotz guter Ausgangslage den Aufstieg und beendet das Turnier mit nur zwei Punkten als Gruppenletzter. Uruguay erlebt nach dem Vorrunden-Aus vor vier Jahren die nächste WM-Enttäuschung – im Heimatland dürfte die Kritik an Trainer Bielsa nun weiter zunehmen.