"Wir haben gefeiert, viele Fotos gemacht und viele Erinnerungen gesammelt. Wir haben kleine Trophäen bekommen, die wirklich cool waren. Wir haben einfach gefeiert – so, wie es ein Weltmeister macht", erzählte Dani Olmo nach dem 1:0 in der Verlängerung gegen Argentinien.
Nach dem Schlusspfiff trugen die spanischen Spieler ihre Pokale stolz in riesigen Koffern durch die Katakomben des Finalstadions. Stunden davor hatten sie das begehrte Original von US-Präsident Donald Trump überreicht bekommen – und das als erst zweites spanisches Team überhaupt. Weil die Frauen 2023 Weltmeisterinnen wurden, ist Spanien jetzt das erste Land, das beide Titel gleichzeitig hält, wie orf.at berichtet.
Seit 38 Spielen ist Spaniens Nationalteam ungeschlagen. Trotz Überzahl und klarer Überlegenheit mussten die Europameister aber bis in die Verlängerung warten, ehe Ferran Torres in der 106. Minute das erlösende Tor schoss. Damit holte Spanien nach 2010 den zweiten WM-Titel. "Ich denke, dass wir durch dieses Tor endlich erlöst wurden. Wir alle haben es versucht. Gegen Messi bist du immer nervös, aber wir haben immer an uns geglaubt", sagte der FC-Barcelona-Kicker. Zeitgleich feierten Hunderttausende in Madrid, Barcelona und anderen Städten den verdienten Triumph mitten in der Nacht.
Der Treffer von Torres war bereits der 20. Versuch für die Spanier – Argentinien hatte bis dahin kein einziges Mal aufs Tor von Unai Simon geschossen. "Ich bin sicher, dass wir erst dann wirklich begreifen werden, was wir heute geschafft haben, wenn wir nach Spanien zurückkehren", meinte der Schlussmann von Athletic Bilbao.
Simon stellte beim Turnier in den USA, Mexiko und Kanada sogar einen Rekord auf: 649 Minuten blieb er ohne Gegentor. In acht Spielen kassierten die Spanier nur einen einzigen Treffer, nämlich beim 2:1 im Viertelfinale gegen Belgien. "Diese Spielweise, dieses Niveau und diese Konzentration über acht Spiele hinweg aufrechtzuerhalten – das hat uns den Titel gebracht", sagte Simon.
"Ein Spiel, das die Geschichte eines Landes und einer Generation für immer verändern wird. Spanien muss das Jahr 2010 nun nicht mehr als einmalige Erinnerung betrachten", jubelte die Zeitung "Mundo Deportivo".
Die Freude in Spanien ist riesig: Nach dem Sieg gegen Argentinien feiern die Fans ihre neuen Weltmeister ausgelassen. Wie schon die Legenden damals setzte auch die neue Generation um Rodri, Yamal und Marc Cucurella nach dem EM-Titel nun den WM-Sieg drauf. Rodri wurde verdient zum besten Spieler des Turniers gewählt. "Wir mussten 16 Jahre auf diesen Moment warten. Ich hoffe, dass wir diesmal nur vier Jahre auf den nächsten Stern warten müssen", sagte Simon. Er selbst wurde als bester Tormann des Turniers ausgezeichnet, Verteidiger Pau Cubarsi bekam den Preis für den besten Nachwuchsspieler – und nicht etwa der gleichaltrige Yamal.
Der größte Star im spanischen Team spielte eine eher unauffällige WM und erzielte nur ein Tor. Trainer de la Fuente lobte ihn trotzdem: "Ich bin ihm ernsthaft dankbar, er hat sich für das Kollektiv geopfert." De la Fuente ist mit 65 Jahren nun der älteste Weltmeistertrainer der Geschichte. "Das ist sehr wichtig in unserem Team. Er hat eine großartige WM gespielt."
"Ich finde, wir haben herausragend Fußball gespielt und diesen Pokal verdient", sagte Cucurella, der sich jetzt sogar ein Tattoo mit dem Gesicht von Trainer de la Fuente stechen lassen will. "Wir haben einen langen Heimflug, vielleicht gibt es ein paar Vorschläge. Ich werde darüber nachdenken und es dann hinter mich bringen", meinte der Verteidiger, der von Chelsea zu Real Madrid wechselt.
Schon vor einem Jahr war Cucurella im NFL-Stadion der New York Giants und New York Jets mit Chelsea Klub-Weltmeister geworden. Wieder war der US-Präsident bei den ersten Siegerfotos mit dabei. Der 80-Jährige ließ sich auch diesmal erst nach einigen Sekunden von FIFA-Präsident Gianni Infantino von der Bühne begleiten.
"Wir freuen uns wirklich sehr, nach Spanien zu kommen. Viele Leute konnten hier nicht dabei sein, und wir wollen mit allen feiern", sagte Cucurella. "Ich denke, wir haben uns eine gute Feier verdient."